Navigation bei Fahrradtouren

Einführung

Garmin Edge Touring
Garmin Edge Touring

Seit 2014 nutze ich zum Aufzeichnen der gefahrenen Touren und zur Navigation das Garmin Edge Touring Navi. Zu Beginn nutzte ich Garmin Connect zur Auswertung und Routenplanung. Das GarminConnect-Portal gefiel mir aber mit der Zeit immer weniger, weil auf der Profilseite zu viel Schnickschnack wie Trainingpläne, Challenges, Segmente etc. aufgeführt werden, die mich nicht interessieren. Es soll sicherlich die ganze Bandbreite der Garmin-Fitness-Produkte umfassen. Mich interessieren aber in erster Linie das Erstellen von Strecken, also die Routenplanung, und die anschließende Dokumentation dieser Routen.

Portal GPSies.com

Deshalb stieß ich auf das Portal von GPSies.com. Hier geht es um das Wesentliche, dem Erstellen und Ablegen von GPS-Tracks. Ich fand heraus, dass sich dieses gut mit Garmin Edge Touring ergänzt. Tracks können gut auf dem Bildschirm geplant und erstellt werden. Gut ist hier die Möglichkeit, den Vollbildmodus einzuschalten. Der ganze Bildschirm kann zur Planung genutzt werden Die Registrierung an sich ist kostenlos. Man kann aber durch eine Spende die lästige Werbung abschalten lassen und bekommt als Karten-Overlay noch OpenCycleMaps dazu, in der viele überregionale und regionale Radrouten bereits eingetragen sind. Einziger Nachteil: Routen können schlecht im Nachhinein geändert werden. Der Datenaustausch mit dem Garmin Navi funktioniert problemlos: Die Datei wird als GPS-Track heruntergeladen und vom Computer auf das über USB verbundene Navi in den von Garmin vorgegebenen Ordner „New Files“ abgelegt. Wenig später taucht die Tour im Navi unter „Strecken“ auf. Auf Garmin Express kann also verzichtet werden. Es wird bei mir lediglich zum Firmware- und Kartenupdate benötigt. Auch das Hochladen einer vom Garmin Edge Touring aufgezeichneten Tour auf die Portalseite ist möglich. Die von Garmin verwendeten .fit-Dateien werden problemlos verarbeitet.

Portal komoot

Nokia 6 in Lenkerhalterung
Nokia 6 in Lenkerhalterung

Durch Bekannte sowie Informationsaustausch mit anderen Radlern auf einer Tour bin ich dann seit Kurzem auf komoot gekommen. Nach einigen Test muss ich wirklich sagen, dass man inzwischen wirklich auf die Anschaffung und Nutzung eines Fahrradnavis verzichten kann. Ein Mittelklasse-Smartphone (z. B. mein Nokia6), das mittels einer Halterung am Lenker angebracht wird, ersetzt die Hardware und die komoot-App dient als Navi bzw. Tracking.

Man erstellt über facebook oder eine Email-Adresse ein komoot-Account. Im Vergleich zu GPSies.com ist hier doch ein größeres Entwicklungsteam am Werk. Es geht auch mehr um die Social-Web-Idee – Freunde finden – sowie den Erlebniswert der Tour. Deshalb auch die Verknüpfung mit der Smartphone Kamera. Foto-Aufnahmen können direkt aus der App gemacht werden und werden nach erfolgter Nachfrage direkt der Tour zugeordnet. Die Tourenplanung ist nach kurzer Einarbeitungszeit gut zu machen. Entweder nur Start-/Ziel-Eingabe oder gezielt neue Wegepunkte setzen und diese als neues Ziel definieren. Es stehen neben der Komoot-Map auch die OpenCycleMap und OpenStreetMap zur Verfügung. Die nachträgliche Korrektur/Änderung der Route funktioniert besser als bei GPSies.com.

Grundsätzliches zu den Kosten: Zum Testen kann man sich eine Region freischalten, in der Regel die Heimatregion. Hier funktioniert dann soweit alles. Verlässt man aber die heimatlichen Gefilde, muss man entweder einzelne Regionen oder das Komplettpaket dazukaufen. Dann kann man für diese bzw. alle Regionen auch Offline-Karten herunterladen, so dass die Navigation auch ohne Internetverbindung (schlechtes oder kein Mobilfunknetz) funktioniert. Man hat nun eine Navigation mit Sprachunterstützung. Wenn eine Internetverbindung (Mobilfunk) vorhanden ist, kann man auch von unterwegs ein neues Ziel eingeben und navigieren. Nach ersten Tests funktioniert die Navigation wirklich gut.

Ein Problem gibt es bei mir allerdings: Wenn das Smartphone auf Standby geht, was ja ratsam ist, damit das Display nicht zu viel Strom verbraucht, bleibt die komoot-App manchmal hängen. Man muss die App neu starten. Die Navigation ist angehalten und muss auch wieder gestartet werden. Die Aufzeichnung des Tracks ist nicht verloren und wird dann fortgesetzt. Vielleicht habe ich aber auch nur die entsprechende Einstellung für den Standby-Modus noch nicht gefunden.

Durch die schon beschriebene Fotofunktion können interessante Wegepunkte festgehalten werden. Diese werden dann direkt der Tour zugeordnet, was hinterher eine gut dokumentierte Tour ergibt. Als kleines Gimmick: Am Ende der Tour wird noch automatisch ein kleines Video erstellt, was man natürlich per WhatsApp gleich in die Welt schicken kann. .. Eine geschickte Werbung für die komoot-App. Natürlich geht es auch ohne Navigation, d. h. nur Tracking der Strecke wie beim Garmin-Navi ist möglich. Das soll für die grobe Beschreibung genügen. Abschließend noch ein Vergleichstest zwischen Garmin Edge Touring und Smartphone Nokia 6 mit komoot-App.

Navigation im Vergleich:
Garmin Edge Touring und Smartphone Nokia 6 mit komoot-App

Lenkerhalterung scozzi
Lenkerhalterung scozzi

Für das Nokia 6 habe ich mir über Ebay (Fa. DeineHuelle.de) eine scozzi Fahrradhalterung (13,- Euro) gekauft. Handhabung und Funktionalität erwiesen sich nach einigen Test als praktikabel. Die Halterung ist ohne Werkzeug schnell an der Lenkerstange montiert. Durch ein Kugelgelenk mit Feststellschraube kann der Neigungswinkel angepasst werden. Eine schnelle Fixierung sowie Entnahme des Smartphones aus bzw. in die Halterung – z. B. bei einem Fotostopp/Pause – ist schnell gemacht. Somit stand einem Vergleich beider Navigationssysteme nichts mehr im Wege.

Ich habe eine 60-km-Tour (Runde um den Süntel/Weserbergland) im komoot-Portal mit der Planungs-App erstellt. Dabei nehme ich doch noch gerne eine Fahrradkarte zur Hilfe, um dort aufgeführte Radwege mit einzubeziehen. Die erstellte komoot-Tour wurde als GPX-Datei exportiert und wie oben beschrieben auf das Garmin Edge Touring ohne Probleme hochgeladen. Ich kannte die Streckenführung nicht aus vorherigen Touren. Beide Navigationsgeräte arbeiteten zuverlässig und ich konnte auf die Orientierung anhand der Karte verzichten: Das Garmin mit der Vorankündigung einer Abbiegung bei ca. 170 m mit dem bekannten Piepen und dann die Wiederholung bei ca. 70 m mit dem Herunterzählen der Sekunden des Erreichen der Abbiegung und der schriftlichen Anweisung auf dem Display. Komfortabel natürlich die Nokia6/komoot-Variante: Akustische Ansage!! Das war natürlich neu für mich. Auch die bessere Auflösung im Vergleich zum für heutige Verhältnisse doch ziemlich spartanischen Display des Garmin Touring Edge. Aber das kostet natürlich Energie. Deshalb das Abschalten des Displays nach 30 Sekunden Inaktivität. Das hatte leider das bereits oben beschriebene Beenden der komoot-App zur Folge, was auf dieser Tour drei- oder viermal passiert ist. Das Garmin zeigte auf dieser Tour keine Probleme, bricht die Navigation aber manchmal auch mit einem Navigationsfehler ab und muss neu gestartet werden. Auch die Akkuleistung beider Geräte hat für diese ca. vierstündige Tour gereicht (Rest: 40 – 50 %), so dass keine Powerbanks gebraucht wurden.

Fazit: Aus meiner Sicht erübrigt sich heutzutage die Anschaffung eines Fahrradnavis. Ein Mittelklasse-Smartphone mit komoot-App erledigt diese Aufgabe auch. Man hat eine gute Display-Auflösung und sogar Sprachausgabe. Allerdings natürlich ein recht großes Gerät am Lenker. Bei Kopfsteinpflaster-passagen und schlechten Trails habe ich manchmal Bedenken wegen der Halterung. Und noch schlimmer: Was passiert bei einem möglichen Sturz mit dem Smartphone?? …. Für den doch größeren Stromverbrauch sollte man bei längeren Tagestouren auf jeden Fall eine Powerbank bereithalten, wenn man keine Stromversorgung über das Dynamo hat. Schön auch die automatische Erfassung der Daten in der komoot-App mit der Zuordnung der Fotos. (Der gläserne Mensch lässt grüßen….)

Hier noch die Links zu meinen Portalseiten:

GPSies.com

Komoot