Der Emsradweg

Vorbemerkungen

Tafel an den Emsquellen zum Flusslauf der Ems

Der Emsradweg ist ein „leichter“ Radweg. Hat er doch mehr oder weniger keine besonderen Steigungen. Mit knapp 400 km ist er sicherlich in einer Woche gut zu schaffen. Wenn man allerdings wie wir noch die Stadt Münster mit einplant, sich in Papenburg die Meyer-Werft anschauen will und auch noch etwas mehr von der ostfriesischen Nordseeküste mitnehmen möchte, sollte man doch schon 10 Tage einplanen. So sind es bei uns schon insgesamt 500 km Strecke geworden.

1. Etappe: Paderborn – Rietberg

Wenn man in den Emsradweg einsteigen will, eignet sich als Startpunkt ganz gut Paderborn wegen des relativ guten Bahnanschlusses. Außerdem bietet der Altstadtkern mit dem Domplatz einiges an Sehenswürdigkeiten.

Domplatz in Paderborn

Über die Pader-Auen geht es auf gut ausgebauten Wegen nach Schloß Neuhaus, wo man zur nächsten Sehenswürdigkeit kommt. In dem Schloss ist jetzt ein Gymnasium. Der Schlossgarten wurde neu gestaltet.

Schloss Neuhaus bei Paderboirn

Man hat jetzt verschiedene Möglichkeiten, nach Hövelhoft, dem größeren Ort in der Nähe der Emsquellen zu gelangen. Ein möglicher Weg fernab von den Verhehrsstraßen führt vorbei am Campingplatz Lippesee bis Sande. Von dort rechts ab über Wirtschaftswege bis Hövelhof und vom Zentrum auf der Sennestraße Richtung Autobahn. Direkt hinter der Autobahn links ab ist der Weg zu den Emsquellen ausgeschildert, und nach knapp 3 km erreicht man mitten im Sennewald das Informationszentrum Emsquellen.

Am Startpunkt des Emsradweges am Infozentrum Emsquellen

In dem Gebäude wird der Radwanderer schon auf die Landschaften und Besonderheiten vorbereitet, die ihn in den nächsten Tagen erwarten.

Im Informationszentrum an den Emsquellen

Man muss dann noch 800 Meter bis zu dem eigentlichen Quellgebiet vorbei an der Koppel der Sennepferde weiterfahren, das eigentlich direkt an der Panzerringstraße des ehemaligen britischen Truppenübungplatzes Senne liegt. Auf Holztreppen und Stiegen kann man trockenen Fußes bis an die Quellrinnsale der Ems gelangen, wo sich Anfang Mai die Natur im frischen Grün zeigt.

Auf ausgebauten Stegen trockenen Fußes im Emsquellgebiet
Die Ems – hier noch ein Rinnsal

Die Strecke zurück nach Hövelhof kann man abkürzen, indem man auf der
Straße mit der Beschilderung „Steinweg“ über die Autobahn fährt. Man kommt dann über die Bielefelder Straße in das nördliche Industriegebiet von Hövelhof und dort wieder auf den ausgeschilderten Emsradweg.

Die junge Ems im sandigen Flussbett

Der führt nun auf Wirtschaftswegen rechts- und linksseits der jungen Ems, die sich hier noch durch sandige Böden schlingelt, zum NSG Steinhorster Becken.

Am Steinhorster Becken

Schließlich erreicht man auf ähnlichen Wegen das Tagesziel Rietberg. Hier wird man, wenn man der Beschilderung folgt, auf direktem Wege gleich an den Teichen vorbei zum ehemaligen Gartenschaugelände geleitet, bevor man in die historische Innenstadt mit vielen schönen restaurierten Fachwerkhäusern kommt.

Rietberger Rathaus im Abendlicht
Historische Fachwerkhäuser in Rietberg

Damit hat man – vom Zentrum Paderborn aus gerechnet – für die erste Tagesetappe 57 Kilometer absolviert. Hier der Link zum aufgezeichneten Track der ersten Tagesetappe:
https://www.gpsies.com/map.do?fileId=naxttzmwcumnqejj

2. Etappe: Rietberg – Warendorf

Nach einer Rundtour durch den historischen Stadtkern im Morgenlicht und der Suche nach Fotomotiven geht es weiter in nordwestliche Richtung. Dabei kommt man am Ortsausgang am Bibeldorf Rietberg vorbei und fährt auf gut ausgebauten Wegen entlang der Ems.

Natur pur: NSG Emssee hinter Rietberg

Hinter dem Emssee kreuzt man mal wieder den Fluss, der jetzt schon etwas größer geworden ist, entlang eines Radweges neben der Kreisstraße. Dieser Wechsel wiederholt sich des öfteren. Ziemlich bald ist Wiedenbrück erreicht. Hier findet man einen kleinen Altstadtkern mit imposanter Kirche vor und kommt dann an der Ems zum Flora Westfalica Park, ebenfalls ein „Überbleibsel“ einer früheren Gartenschau.

Am Park Flora Westfalica in Wiedenbrück

Diese Parkanlage zieht sich hin bis nach Rheda, wobei man auch die vielbefahrene Autobahn A2 unterkreuzt, was man aber kaum mitbekommt. Die Schlossanlage von Rheda ist ebenfalls mit in den Landschaftspark einbezogen. Alles toll gepflegt gut mit dem Fahrrad zu erkunden.

Historische Wassermühle am Schloss Rheda

Man verlässt Rheda entlang der Ems in nördliche Richtung, wobei auch die Haupteisenbahnstrecke Hannover – Ruhrgebiet unterkreuzt wird. Nach einer erneuten Doppelquerung der Ems kommt man schließlich zur Klosteranlage Marienfeld, die heute ein renommiertes Tagungs-, Wellness- und Sporthotel ist, in dem auch Trainingslager bekannter Fußballmannschaften stattfinden.

Hotel Klosterpforte Marienfeld

Weiter geht es in die Mähdrescherstadt Harsewinkel. Die Landmaschinenfirma Claas ist hier regional ein großer Arbeitgeber. Hier vereinigt sich der Emsradweg mit dem Europa-Fernradweg R1 (bzw. Deutschlandroute D3) auf der Strecke nach Warendorf. Der Ort wird über das NSG „Westliche Emsauen Warendorf“ erreicht. Direkt nördlich des Ortszentrums gibt es einen aufgestauten Emssee. Warendorf ist bekanntlich das Zentrum der Reiterei in Westfalen.

Pferdestadt Warendorf

Die 2. Etappe ist somit beendet. Die Streckenlänge betrug diesmal 64 km. Hier wieder die Trackaufzeichnung:
https://www.gpsies.com/map.do?fileId=whxtyuahjxjfyjou

3. Etappe: Warendorf – Münster

Da die Etappe relativ kurz ist, kann man sich am nächsten Morgen noch etwas Zeit nehmen um sich den historischen Stadtkern anzuschauen und einen Blick in das NRW Landgestüt zu werfen. Der gut erhaltene Marktplatz und die Häuser drum herum sind schön anzuschauen.

Marktplatz in Warendorf

Die Fußgängerzone hat im Gegensatz zu vielen anderen Städten dieser Größe in der heutigen Zeit kaum leerstehende Geschäfte. Das Gelände des NRW Landgestüts an der Sassenberger Straße ist frei zugänglich, sogar ein Blick in die Pferdeställe und auf den Turnierplatz ist möglich.

NRW Landgestüt Warendorf

Über den Wohnmobilstellplatz am Lohwall geht es an der Ems weiter Richtung Teltge. Die Ems ist auf diesem Stück zu einem Kanal begradigt. Am Campingplatz an den Kottruper Seen verlässt man den Uferweg und es geht weiter auf Wirtschaftswegen bis Müssingen. Zwischen den Orten Müssingen und Einen mal wieder eine Querung auf die nördliche Emsseite. Kurz vor Teltge führt der Weg nach einer Brückenquerung der B64 wieder an die Emsaue heran. Hier sind einige Infotafeln zu den Hochwassern und zur Emsbegradigung im letzten Jahrhundert sowie Pfähle mit Hochwassermarkierungen zu finden.

Hochwassermarken in der Telgter Emsaue

An der Emsbrücke der Straße Emstor ist man am Rand des Altstadtkerns von Telgte angekommen. Die barocke Wallfahrtskapelle mit dem Bild der „Schmerzhaften Mutter“ ist Ziel der großen Wallfahrt von Osnabrück nach Telgte, die jeweils am zweiten Wochenende nach Peter und Paul (29. Juni) stattfindet. Der historische Marktplatz im Herzen der Altstadt lädt zu einer gemütlichen Pause ein.

Wallfahrtskapelle in Teltge

Hier verlassen wir den Emsradweg und fahren auf der Friedensroute weiter auf der Straße Münstertor Richtung Münster. Nach dem St. Rochus Krankenhaus kommen wir in der Feldmark wieder auf den R1/D3-Radweg und erreichen bald die Pleistermühle an der Werse, wo nebenan ein großes Gasthaus ist. Dort gibt es auch einen Kanuverleih.

Die Pleistermühle an der Werse kurz vor Münster

Über den Vorort St. Mauritz sind wir schnell in Münster angekommen, wo auf der Promenade reger Fahrradverkehr herrscht. Unser Hotel liegt ganz zentral in der Aegiistraße. Damit ist nach knapp 37 km auch die 3. Etappe zu Ende:
https://www.gpsies.com/map.do?fileId=yqiqmblwnulwekon

4. Etappe: Münster – Emsdetten

Sowohl am Abend der 3. Etappe als auch am nächsten Morgen blieb genug Zeit für einen ausführliche Stadterkundung in Münster. Da uns die Stadt aus früheren Besuchen bekannt ist, finden wir schnell die Sehens-würdigkeiten der Stadt für unsere Fotos.

Wir verlassen Münster auf der Promenade, fahren parallel zur Bahnstrecke in nordöstlicher Richtung und kommen an der Schleuse direkt an den Dortmund-Ems-Kanal, der uns bis kurz vor Gelmer begleitet. Hier fahren wir vorbei am NSG Rieselfelder in Richtung Gittrup, wo wir wieder auf den eigentlichen Emsradweg kommen.

Dorfplatz von Gimbte

Über das schöne Dorf Gimbte und die sandige Kiebitzheide kommen wir nach Greven. Diesen Ort haben wir uns nicht näher angeschaut. Hinter Greven kommt nochmal ein hügeliger und sandiger Geest-Abschnitt, die „Wentruper Berge“. Dann ist es nicht mehr weit zum Sachsenhof bei Pentrup. Hier wurde liebevoll die Besiedlung des Gebietes im frühen Mittelalter (6. – 8. Jh. n. Chr.) nachgebildet, weil hier in der Nähe eines Sandabbaugebietes in den 70-iger Jahren Spuren einer frühen Besiedlung gefunden wurden.

Sachsenhof bei Greven-Pentrup

Der Heimatverein Greven von 1983 hat nach Ende der Ausgrabungen das Dorf weiter entwickelt. Experimentelle archäologische Versuche wie z. B. zur Ton- und Eisenherstellung werden hier an Aktionstagen vorgestellt. Ebenso findet man auf dem Gelände Kulturpflanzen des frühen Mittelalters. Nach kurzer Weiterfahrt sind wird bereits in Emsdetten-Hembergen – unserem heutigen Tagesziel – gekommen. Da es noch reichlich früh am Nachmittag ist, können wir noch die Runde durch das NSG Emsaue zwischen Saerbeck und Emsdetten machen.

Hier findet man noch ein ursprüngliches Flussauengebiet vor. Die Wege sind teilweise ursprünglich, d. h. manchmal auch recht sandig. Direkt bei Emsdetten sind die Wege aber gut ausgebaut und mit vielen Erläuterungen und Hinweisen versehen. Der Rückweg nach Hembergen erfolgt direkt über den Radweg entlang der Landstraße. Gerade rechtzeitig vor dem großen Regen kommen wir nach 52 km im Hotel an:
https://www.gpsies.com/map.do?fileId=gdjdazdoiagndaho

5. Etappe: Emsdetten – Lingen

Am nächsten Morgen zeigte sich das Wetter wieder von der besseren Seite, Auf direktem Wege entlang der Landstraße ging es nach Emsdetten und dort nochmals durch die Emsauen.

Fußgänger- und Radfahrerbrücke hinter Emsdetten

Hinter Emsdetten überquert man eine Rad- und Fußgängerbrücke, bevor ein weiteres Auengebiet kommt. Nach einem Abschnitt auf der L590 führt der Radweg parallel zur Ems auf etwas sandigen Wegen durch das NSG Elter Dünen und durch eine Ferienhaussiedlung zur Bockholter Emsfähre, die aber heutzutage nur noch touristische Bedeutung hat. Hier befindet sich auch ein Gasthaus.

Nur am Wochenende und im Sommer in Betrieb: Die Bockholter Fähre für Radtouristen

Nachdem man dann den Ort Elte erreicht hat, führt der Weg entlang der L593 nach Gellendorf, einem Vorort von Rheine. Auf einem Weg entlang der Bahnstrecke überquert man die Ems und fährt dann am Emsufer, wobei diverse Sportstätten passiert werden, in die Stadtzentrum von Rheine – in unserem Fall passend zur Mittagspause.

Fußgängerbrücke über die Ems in Rheine

Man fährt weiter am Emsufer und kommt auf dem Bentlager Weg zum Kloster Bentlage, heute im Besitz der Stadt Rheine und ein „kultureller Begegnungsort“ mit Gästezimmern. Nicht weit davon entfernt die Saline Gottesgabe, die von einem Förderverein erhalten wird.

Saline Gottesgabe in der Nähe von Kloster Bentlage

Kurz danach haben wir auf dem Weg nach Salzbergen Nordrhein-Westfalen verlassen und befinden uns nun im Emsland. Entlang der mäandernden Ems geht es Richtung Emsbüren. Ohne den Ort zu passieren, wird die Ems auf der L58 überquert.

Emslandschaft an der Emsbrücke der L58 bei Emsbüren

Man verlässt die Landstraße bei Helschen und fährt an einem Waldstück parallel zur Ems Richtung Schleuse Gleesen, wo der Dortmund-Ems-Kanal ein Stück mit der Ems eine Wasserstraße bildet. Man kommt dann ziemlich schnell zum stillgelegten Atomkraftwerk Lingen und schließlich entlang des Kanalsystems der Ems in den Stadtkern von Lingen, wo sich unser Hotel etwas außerhalb in der Lindenstraße befand. Abends ging es zur Stadtbesichtigung und zum Essen ins Zentrum.

Historisches Rathaus und Gasthaus Alte Posthalterei (rechts) am Lingener Marktplatz

Hier der Track der 5. Etappe, die mit knapp 68 km recht lang war:
https://www.gpsies.com/map.do?fileId=mgrqfadnikhagqib

6. Etappe: Lingen – Haren

Der weitere Verlauf des Radweges war von unserem Hotel einfach zu finden. Nach dem Wasser- und Schifffahrtsamt in der Kollwitzstraße ging es am westseitigen Emsufer vorbei am Linus-Bad und diversen Sportanlagen aus der Stadt heraus. Auf kleinen Wirtschaftswegen vorbei an kleineren Ortschaften erreicht man schließlich den Geeste-Speichersee. Der hohe Damm hebt sich markant von dem flachen Umland ab. Hefiger Gegenwind kam uns auf dem Dammweg auf der östlichen Seeseite entgegen.

Am Speicherbecken bei Geeste

Das kühle und ungemütliche Wetter trug sicherlich dazu bei, dass keine Freizeitaktivitäten sowohl am Surfufer, Badeufer und auch im Segelclub zu beobachten waren, auch wenn das Wochenende an diesem Freitagmorgen unmittelbar bevorstand. Der Weg nach Meppen verlief auf Wirtschaftswegen entlang der L48 entlang der Emsschleifen und war unspektakulär. Die Stadt wurde gegen Mittag erreicht.

Historische Rathausfassade von Meppen

Beim Stadtrundgang zur Mittagspause fiel das historische Rathaus mit seiner Stufengiebelfassade ins Auge. Die Ausfahrt aus dem Stadtgebiet verlief wieder wie in Lingen am linken Emsufer. Bald wurde an einem Ems-Altarm das landschaftlich reizvolle NSG „Borkener Paradies“ erreicht.

Ems-Altarm beim NSG Borkener Paradies

Nach einer Brücke über die Fluss-Ems kommt man mal wieder zum Emskanal und sieht vielleicht zum ersten Mal einen Frachter auf dem Kanal. Kurz vor der Hünteler Schleuse sieht man den mit der Weltkarte bemalten Kühlturm des stillgelegten Gaskraftwerks Hüntel, das jetzt zum Freizeitgelände mit Gokart-Bahn etc. umgebaut wurde.

Größtes Gemälde der Welt: Kühlturm mit Weltkarte im ehemaligen Gaskraftwerk Hüntel

Nach der Querung der Schleuse Hüntel kommt man nochmal kurz an die Fluss-Ems und fährt dann auf Wirtschaftswegen auf Haren zu. Nach der Unterquerung der B490 kommt ziemlich bald der Yachthafen von Haren.

Der „Emslanddom“ von Haren im Abendlicht

Ein prägnantes Bauwerk von Haren ist die St. Martinus-Kirche, der sog. „Emslanddom“. Die Etappe hatte eine Länge von 59 km:
https://www.gpsies.com/map.do?fileId=ftkjonjymzdujdbx

7. Etappe: Haren – Papenburg

Der Museumshafen von Haren

Am nächsten Morgen kündigte sich endlich mal eine Wetterbesserung an. Es war zwar noch recht kühl und auch windig, aber öfters schien sogar die Sonne vom blauen Himmel. Wir machten deshalb einen Schlenker zum Museumshafen von Haren und anschließend zur Ferienanlage Schloß Dankern westlich von Haren.

Wasserskianlage im Ferienpark Schloss Dankern

Über 700 Ferienwohnungen stehen hier zur Auswahl. Auch Tagesausflügler finden hier alle mögliche Freizeitaktivitäten vor. Unsere Freizeitaktivtät war durch die Tagesetappe nach Papenburg bereits verplant. Deshalb ging es nach kurzer Verweildauer weiter – vorbei an der alten Mühle mit dem Mühlenmuseum am nördlichen Ortsrand von Haren. Der Weg verlief nun einige Kilometer auf einem Radweg entlang der Landstraße L48. An einer Emsschleife ging es dann aber vorbei bei an einem Ponyhof zur Kanal-Schleuse Hilter. Dann rechtsseitig der Kanal-Ems auf dem Leinpfad und jetzt gut ausgebauten und asphaltierten Radweg bis nach Lathen, wo zur Mittagszeit in einem Bäckerei-Cafe eine Pause gemacht wurde. Nördlich von Lathen verlief der Weg rechtsseitig entlang des Ems-Kanals bis kurz hinter der Schleuse Düthe. Kurz vor Steinbild finden Ems und Kanal wieder zusammen.

Ems bei Steinbild

Bei Steinbild wird die Ems überquert. Kurz danach geht es linksseitig auf einem gut ausgebautem Radweg weiter. Auf der Höhe von Dörpen zweigt östlich der Küstenkanal ab. Auf der Höhe von Lehe kann man als Radfahrer die Ems mal wieder mit einer Fähre überqueren. Der Fluss ist kanalartig schiffbar, Altarme sind nur noch als Teiche oder Tümpel zu erkennen.

Pausenstelle und Radfähre bei Lehe

Bald hat man die Schleuse Herbrum erreicht, wo Ems und Ems-Kanal überquert werden. Wenn man jetzt Aschendorf und Papenburg ansteuern will, verlässt man nun vorerst das Emsufer. Über Aschendorf, wo man noch einen kurzen Abstecher zum Gut Altenkamp machen kann, erreicht man auf einer kleinen Nebenstraße den Stadtkern von Papenburg.

Museumsschiff „Friederike von Papenburg“ – Wahrzeichen der Stadt Papenburg

Unser Hotel Aquamarin lag nicht weit vom Zentrum entfernt in der Straße Fellings Goarden. Die heutige Tagesetappe betrug 57 km:
https://www.gpsies.com/map.do?fileId=geehckqvuhdollmi

8. Etappe: Papenburg – Leer

Am nächsten Morgen fuhren wir zur Tourist-Information im Arkadenhaus im Ortszentrum, um die reservierten Tickets für die Meyer-Werft-Besichtigung abzuholen. Ein doppelstöckiger Reisebus holte alle Besucher um 10.30 Uhr und fuhr uns zum Werksgelände. Hier fand nach der Begrüßung eine Aufteilung in zwei Gruppen statt. Dann erfolgte der informative Rundgang durch die Besucherräume mit den Ausstellungsstücken.

Das große Trockendock der Meyer-Werft

Der Blick auf die eigentliche Werft war von einer verglasten Aussichtsplattform möglich. Auch kurze Filmsequenzen wurden während der zweistündigen Werksbesichtigung gezeigt. Nachdem der Bus uns wieder zurückgebracht hatte, schauten wir uns noch kurz den Ort an, da die Etappe nach Leer nicht sehr weit war. Gegen 14 Uhr ging es dann vom Hotel aus los.

Die „Spirit Of Discovery“ beim Auslaufen aus dem kleinen Dock

Da der Radweg an der Seeschleuse im Norden von Papenburg vorbeiführt, hatte man nochmal einen Blick auf die Meyer-Werft und konnte der „Spirit Of Discovery“ beim Ausdocken aus dem kleinen Trockendock zuschauen, was auch ein ganze Menge Leute an diesem Sonntagnachmittag machten. Nach der Weiterfahrt hinter dem hohen Emsdeich hatte man nun das Emsland hinter sich gelassen. Das südliche Ostfriesland war erreicht.

In Ostfriesland angekommen: Warftdorf Mitling mit Mühle

Ein erstes typisches ostfriesisches Warftdorf mit Windmühle direkt hinter dem Emsdeich ist Milting. Bald war die durch eine Schiffskollision beschädigte Friesenbrücke bei Weener erreicht. Die Eisenbahnbrücke mit Fußweg ist immer noch – auch für Radfahrer und Fußgänger – gesperrt.

Immer noch defekt: Friesenbrücke bei Weener

Weiter geht es entlang des Emsdeiches, bis man bei Klostermuhde an die Ledamündung kommt. Jetzt noch ein Stück entlang der Leda, die schließlich auf einem schmalen Fußweg neben der Bahnlinie überquert wird.

Hier kommt die Weidemilch her: Ostfriesische Cowboys bei der Arbeit

Dann ist man im Industrie- und Hafengebiet von Leer angekommen. Der Weg zum Hotel in der Bremer Straße nordöstlich der Kernstadt wurde schnell gefunden.

Abendstimmung am Hafen von Leer

Die kurze Etappe von Papenburg nach Leer hatte nur 27 km:
https://www.gpsies.com/map.do?fileId=sqdvaokizubwqlij

9. Etappe: Leer – Ditzum

Korfu-Radreise vom 3. – 13.6.2017

Vorbemerkungen
Im August 2016 habe ich bereits bei Wikinger-Reisen eine geführte Radreise in Westirland unternommen. Es hatte mir sehr gut gefallen, vielleicht bis auf das doch sehr oft unbeständige, regnerische Wetter. Besonders die Reiseleitung von Jörn Hessen ist sehr positiv in Erinnerung geblieben. Das war sicherlich ein Grund, diese Rad-Reise auf Korfu zu wählen. Außerdem war ich schon längere Zeit nicht mehr in mediterranen Gegenden unterwegs gewesen und hatte auch in dieser Beziehung eine Auffrischung nötig. Und Regen in den Sommermonaten sollte hier ja kein Thema sein  – bis auf vielleicht mal ein Gewitterschauer… Alle Fotos in diesem Bericht sind von mir aufgenommen worden.

1. Tag: Sa, 3.6. – Anreise und Testfahrt zur Badebucht von Ermones
Ziemlich pünktlich um 10.15 Uhr landete meine A320 der Thomas Cook Airlines aus Hannover in Kerkyra (Korfu-Stadt). Reiseleiter Jörn Hessen empfing uns im Ausgangsbereich und organisierte den Taxi-Transfer zum Hotel Marida in Agios Ioannis, wo wir gegen 11.15 Uhr ankamen. Nach dem Einchecken wurden um 12 Uhr die Räder in Empfang genommen und getestet.

Empfang der Fahrräder am Hotel Marida in Ag. Ioannis

Gegen 13 Uhr dann die erste Erkundungsfahrt zur Badebucht von Ermones, bei der Jörn sich von den Fahrkünsten seiner neuen Gruppe ein Bild machen konnte. Allerdings fehlten noch drei von der Gruppe, weil deren Flieger erst am späten Nachmittag eintrafen. In der Taverna Georges wurde gemeinsam der erste griechische Salat probiert und erstes Urlaubsfeeling kam bei der Gruppe auf.

An der Bucht von Ermones

Jörn müsste dann los, um den Rest der Gruppe in Empfang zu nehmen. Die Gruppe machte einen kleinen Spaziergang an der Bucht, und einige genossen das erste entspannte Bad im schon gut angewärmten Mittelmeerwasser. Die Rückfahrt wurde in Eigenregie organisiert.

Erster Abend in Annas Taverne

Um 19.15 Uhr traf man sich zur Lagebesprechung für den nächsten Tag draußen vor Annas Taverne gegenüber vom Hotel Marida und ließ sich die Vorspeisen und die Moussaka schmecken. Inzwischen war auch der Rest der Gruppe eingetroffen. Schon mal ein gelungener Auftakttag, und alle waren gespannt, wie sich das Radeln auf Korfu in den nächsten Tagen so anfühlen wird.

2. Tag: So, 4.6. –  Zum Vlacherna-Kloster und zum Sissi-Palast

Das Hotel Marida im Morgenlicht

Nach erster Übernachtung im Marida-Hotel mit ländlicher Geräuschkulisse (Hundegebell, Sonarlaute des kurfiotschen Waldkauzes, Hähnekrähen in der Morgendämmerung) und dem Frühstück auf der Veranda ging es um 10 Uhr los, wie eigentlich an jedem Morgen. Vornehmlich auf Nebenstraßen führte uns Jörn nach Korfu-Stadt. Die Gruppe steuerte nach einem kurzen Zwischenstopp an der Hafenmauer zur Alten Festung direkt das Vlacherna-Kloster an, das am Lagunenanfang direkt über der Einflugschneise zur Landebahn des Flughafens liegt.

Blick auf das Vlachera-Kloster

Die Kaffeepause im anliegenden Cafe musste leider entfallen, weil eine geschlossene Gesellschaft angemeldet war. Also musste ein Schluck aus der Getränkeflasche reichen, um den Anstieg mit 150 Höhenmetern zum Achilleion, dem sogenannten Sissi-Palast, zu bewältigen. Am Palast angekommen, waren alle bereit den Eintritt von 8 Euro für eine Besichtigung zu bezahlen.

Vor dem Achilleion (Sissi-Palast)

Jörn gab auf dem Gelände eine kurze Einweisung in die Entstehung und Nutzung des Gebäudes: Die österreichische Kaiserin Elisabeth (Sissi) ließ es von 1890 bis 1892 in herrlicher Lage errichten.

Sterbender Achilles in Garten des Achilleion

Nach ihrem Tod erwarb Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1907 das Anwesen und nutzte es als Urlaubsresidenz. Näheres dazu findet man unter Wikipedia. Dann konnte jeder auf eigene Faust das Gebäude und den wunderbar angelegten Garten erkunden. Nach einer Mittagspause in dem anliegenden Cafe-Restaurant ging es durch einige Bergdörfer im Hinterland zurück zum Hotel Marida, wo die Gruppe gegen 17 Uhr ankam.

Pausenstopp im Bergdorf (Kastellari?)

Das Abendessen im Grill-Restaurant Paradiso wurde heute ausnahmsweise mal mit dem Fahrrad angesteuert.

3. Tag: Mo, 5.6. – Über den Kaisers Throne nach Liapades
Jörn hatte eine ruhigere Etappe angekündigt. Lediglich der Anstieg, der nach etwa 5 Kilometern begann, zum Kaisers Throne bei dem Bergdorf Pelekas mit ca. 260 Höhenmetern erforderte von den Wikingern einiges an sportlichem Einsatz.

Der Panoramablick am Kaisers Thron

Dafür wurden sie mit wunderbaren Panoramablicken in alle Richtungen belohnt, was schon Kaiser Wilhelm II. erkannt hatte. Doch er kam sicherlich nicht dem Fahrrad hierher. Die Panoramaterrasse des dort errichteten Hotels lud zur Kaffeepause ein.

Das Hotel am Kaisers Thron

Dann ging es in rasanter Abfahrt hinunter in die Ropa-Ebene, eine der wenigen größeren Flachgebiete der Insel. Über die Dörfer Marmaro und Kanakades war dann ziemlich schnell Liapades und das dortige Liapades Beach Hotel erreicht, so dass schon am frühen Nachmittag die Bucht zum Baden einlud.

Entspannen am Liapades Beach

4. Tag: Di, 6.6. – Zur Bucht von Paleokastritsa
Da es aus der Bucht vom Hotel Liapades Beach gleich sehr steil hinaufgeht, traf man sich zur Tagestour um 10 Uhr oben am Friedhof.

Die Radler im Corfu Donkey Rescue

Die Tour begann mit einem kurzen Besuch des Corfu Donkey Rescue, einem Gnadenhof für misshandelte, kranke und nicht mehr gebrauchte alte Esel, der 2004 von der Engländerin Judy Quinn gegründet wurde.

Frühstück im Eselsheim

Man kann sehen, wie durch den Einsatz des Stationspersonals und der geschaffenen Umgebung – zum großen Teil durch Spendengelder –  das Leid der Tiere gelindert wird. Weiter ging es nach Doukades zur Kaffeepause am schönen Dorfplatz. Sehr lecker hier auch der frisch ausgepresste Orangensaft. Auf der großen Nationalstraße rollten wir anschließend in die Bucht von Paleokastritsa hinunter. Es ist einer der bekanntesten Badeorte der Insel mit mehreren kleinen Badebuchten. Das Kloster auf einem Hügel am Ende gelegen ist Touristenattraktion und wird von vielen Bussen angesteuert, nicht zuletzt wegen der vielen tollen Panorama-Ausblicke. Wir ließen unsere Räder unten an einem Parkplatz stehen und gingen zu Fuß hinauf.

Blick vom Aussichtspunkt beim Kloster Paleokastritsa

Nach ausgiebigen Fotostopps auf der Hügelkette und am Gipfelkreuz ging es zur Mittagspause. Der direkte Rückweg nach Liapades war nicht weit und so blieb noch genügend Zeit, am Liapades Beach zu entspannen.

5. Tag: Mi, 7.6. – Die Bergetappe nach Acharavi
Nach dem eher ruhigen gestrigen Tag ging es heute über die nördliche Bergkette der Insel zum dritten Zielort der Rundtour, nach Acharavi. Treffpunkt war wieder 10 Uhr am Friedhof. Zunächst 3 km in Richtung Paleokastritsa, dann aber auf der Straße hinauf nach Lakones und weiter auf die Passhöhe mit ca. 400 hm. Ein langer Anstieg, der sich auf knapp 10 km erstreckt, aber nicht zu steil ist und im eigenen Tempo recht gut zu fahren war. Zum Glück meinte es die Sonne an diesem Morgen nicht zu gut mit den Wikingern. Außerdem war ja auch noch auf halber Strecke in der Bäckerei von Lakones die Kaffeepause. Die Terrasse bot nochmal gute Ausblicke auf Paleokastritsa, dem gestrigen Etappenziel.

Blick vom Bergdorf Lakones auf Kloster Paleokastritsa

Nach weiteren ca. 3 km bergan vorbei an diversen Haltebuchten für Panoramablicke und der Burgruine Angelokastro hatten die Wikinger die Passhöhe der Nordkette erreicht.

Jörn erläutert an der Passhöhe die Landschaft im Norden von Korfu

Bei der dortigen Trinkpause boten sich jetzt Blicke auf die Bucht Ag. Georgios und andere Küstenabschnitte im Norden und die vorgelagerten Diopontischen Inseln. Die sich anschließende rasante Abfahrt nach Pagi verlief ohne Zwischenfälle, so dass bald Marias Taverne zur Mittagspause erreicht war. Da Jörn das Essen vorbestellt hatte, ging alles recht zügig. Frisch gestärkt wurde das Sun Village Resort Hotel in Acharavi gegen 15.30 Uhr erreicht. So war noch Zeit für ein Erfrischungsbad im Swimmingpool, bevor gegen 19.15 Uhr der Lemon Garden, ein tolles Restaurant in einem ehemaligen Garten mit Zitronenbäumen und anderen Baumfrüchten sowie Kräuterbeeten, zum Abendessen aufgesucht wurde. Zu Beginn hatte Jörn noch einen kleinen Rundgang mit der Chefin durch den Garten arrangiert.

Rundgang mit der Chefin im Restaurant Lemon Garden in Acharavi

6. Tag: Do, 8.6. – Ruhetag mit Baden in der Bucht von Ag. Spiridon

Der Pool am Hotel Sun Village in Acharavi

Entspannung am Vormittag war angesagt, da keiner Jörns Angebot, die Fahrt zu den Wasserfällen von Nimfes, annahm. Ein kleiner Strandspaziergang mit Ortserkundung sollte den meisten genügen.

Morgens am leeren Strand von Acharavi

Ein Großteil der Gruppe traf sich dann aber gegen 13 Uhr zur Fahrt ins 6 km entfernte Agios Spiridon, wo Jörn auf der Lagune eine kleine, ruhige Badebucht ausfindig gemacht hatte. Hier genoss man die Ruhe, Badefreuden und das Meeresrauschen abseits des Touristentrubels mit Blick auf die vorbeifahrenden Fähren und auf die Bergkette von Albanien in der Ferne bis zum frühen Abend. In Eigenregie fuhren die Wikinger zurück zum Hotel.

7. Tag: Fr, 9.6. – Zur Bucht von Ag. Georgios an der Westküste
Zunächst ging es vom Hotel Sun Village in Acharavi ca. 5 km ziemlich flach in westlicher Richtung durch die Ebene der Bucht, bevor bei Kavallouri die erste steile Rampe gefahren werden musste. Ebenso steil hinab ging es wieder in die Ebene des Flusses Mellsoudi, bevor alsbald der nächste Anstieg kam. Hier hatte Jörn zum Glück in einem Dorfladen mit integriertem Cafe in Kavvadades die wohl verdiente Kaffeepause eingebaut. Vorher gab es von ihm noch interessante Erläuterungen zur griechisch-orthodoxen Kirche. Weiter ging die Fahrt auf einer schönen Panoramastraße mit vielen Ausblicken für Fotostopps.

Bei der Abfahrt in die Bucht von Ag. Georgios

Jeder konnte hier sein eigenes Tempo fahren, bevor es zur Bucht von Agios Georgios hinabging, die gegen 13 Uhr erreicht wurde. Hier wurde eine längere Mittags- und Badepause eingelegt, zumal man hier einen ca. 2 km langen Sandstrand vorfindet. Der Deal war: Bei einem Mittagessen in der Strandbar sind die Strandliegen mit Schirm inclusive. Das Bad im Meer war wirklich äußerst erfrischend und bestimmt 2 Grad kälter als an den vorherigen Badestellen. Für 16 Uhr hatte Jörn die Rücktour anberaumt. Der 3 km lange Anstieg aus der Bucht hinaus bis nach Pagi hinauf, das wir schon von der Tour nach Acharavi kannten, war nicht von schlechten Eltern.

Trinkpause in Pagi nach dem Anstieg aus der Bucht von Ag. Georgios

Auf dem Höhenrücken der Georgios-Bucht ging es auf hügeligem Gelände bis nach Dafni und dann auf ziemlich direktem Wege zurück nach Acharavi. Wegen der langen Badepause und der etwas über 50 km langen Tour wurde das Hotel erst gegen 18.30 Uhr erreicht. Für den Abend hatte Jörn das Restaurant Maistro direkt Strand herausgesucht.

Sonnenuntergang beim Abendessen am Strand von Acharavi

Nach den tollen Mezedes-Speisen gab es den perfekten Sonnenuntergang über dem Meer. Jörn hatte nicht zu viel versprochen!

8. Tag: Sa, 10.06. – Rundfahrt an der Nordwest-Küste
Laut Beschreibung in den Wikinger-Reiseinformationen sollte es heute eine gemütliche Tour durch das Hinterland werden. Acharavi wurde wie am Vortag in westlicher Richtung verlassen und nach einem kleinen Zwischenanstieg wieder unser schönes Dorfcafe in Kavvadades angesteuert. Danach ging es aber heute weiter Richtung Nordwestküste, die viele landschaftlich reizvolle Küstenabschnitte zu bieten hat. Vor der Küste fuhren wir in nördlicher Richtung weiter zum ersten Highlight des Tages: Die Steilküste mit den Kreidefelsen am Logas Beach bei Peroulades. Ein betonierter Treppenstieg führt hinab an den Strand. Dabei wurde reichlich auf die Auslöser der Kameras oder Smartphones gedrückt.

Die Steilküste zwischen Logas Beach und Kap Drastis

Auch die kleinen vorgelagerten Diopontischen Inseln sind hier gut sichtbar. Die anschließende Mittagspause fand nicht in der coolen Strandbar 7th Heaven statt, sondern in der familiär geführten Taverne 200 m vom Strand entfernt. Alle waren mit ihrer Speise- und Getränkewahl zufrieden – nur beim Cappuccino und Espresso gab es noch Luft nach oben. Nach der Mittagspause musste das nächste Highlight redlich verdient werden: Die Rampe hinauf zum Kap Drastis hatte es schon in sich. Dann aber der malerische Blick auf die Felsformationen des Kaps, das Postkartenmotiv schlechthin.

Das Postkartenpanorama von Kap Drastis

Jörn fuhr mit uns anschließend zu einer schönen Bucht mit Sandstein- und Lehmfelsen am Westrand von Sidari. Der Ort Sidari ist eine Touristen-Hochburg der Engländer auf Korfu. Wir vermieden aber den Touristenrummel  und umfuhren Sidari weiträumig. Auf direktem Wege ging es dann zurück nach Acharavi mit einem Zwischenstopp zum Eisessen am Strand von Roda. Abends zum Essen ging es nochmals in den phantastischen Lemon Garden. Da es Samstag war, spielten drei Musiker traditionelle griechische Musik.

9. Tag: So, 11.06. – Auf der Küstenstraße zurück nach Ag. Ioannis
So langsam ging die Korfu-Radreise nun leider zu Ende. Der vorletzte Urlaubstag war eine der längsten Etappen entlang der Küstenstraße im Nordosten der Insel und dann ein Stück südlich des Pantokratas-Massivs durch das Hinterland zurück zum Hotel Marida nach Ag. Ioannis. Nachdem alle gepackten Koffer für den letzten Hoteltransfer abgegeben waren, konnte Jörn mit der Gruppe pünktlich um 10 Uhr starten, diesmal in östliche Richtung. Das erste Stück bis zur Abzweigung nach Ag. Spiridon war vom Badetag bekannt. Weiter ging es bis zur Badebucht Seki Beach, wo zur frühen Stunde ein Badestopp gemacht wurde.

An der Badebucht Seki Beach

Wir waren die ersten Tagesbesucher in der Bucht. Nach einer knappen Stunde ging es weiter auf der Küstenstraße vorbei an Kassiopi. Dort verlässt man für einige km die direkte Küste. Kurz vor Kouloura kommt man dann zu einer tollen Aussichtsplattform. Die gegenüberliegende albanische Küste ist an dieser Meerenge nur 2 km entfernt. Die Landschaft ähnelt der Cote d´Azur in Frankreich.

Villen an der Nordwest-Küste

Viele betuchte Griechen haben hier ihr Sommerdomizil, wie man an den schicken Villen mit Pool erkennen kann. Zur Mittagspause wurde das Restaurant Vitaminis bei Nissaki angesteuert. Ein schattiges Plätzchen auf der Terrasse war wegen der Hitze wohl auch verdient. Nach der Pause ließen aber die Blicke Richtung Albanien nichts Gutes erahnen. Es könnte noch ein Gewitter aufziehen. Weiter ging es nach der Pause auf der Küstenstraße bis zur Bucht von Pirgi. Wir verließen hier die Küstenstraße. Jörn fuhr hier mit uns unterhalb des Pantokratas-Massivs hinauf zum Ort Ano Korakiana. Bei Ag. Vasilios hatte uns das Gewitter dann erwischt. Zum Glück hatten wir einen guten Unterstand bei einem Bäckerei-Cafe, das wegen des Sonntags geschlossen war. Nach 30 Min Gewitterregen konnten wir weiterfahren und nach einer weiteren Stunde auf dem Rad kamen wir gegen 17.30 Uhr im uns bereits vertrauten Hotel Marida in Ag. Ioannis an.

Wieder in vertrauter Umgebung angekommen: Zimmer 10 im Hotel Marida

Somit war der Kreis fürs Erste geschlossen. Zum Abendessen trafen wir uns an altbekannter Stelle in Annas Taverne zum griechischen Nudelauflauf.

10. Tag: Mo, 12.06. – Fahrt nach Korfu-Stadt zum Stadtrundgang
Vor der Fahrt in die Altstadt vom Kerkyra trafen wir uns um 10 Uhr und gingen mit Jörn zum Souvenir-Einkauf mit Verköstigung in die ortsansässige Verkaufsstelle der Destillerie VASSILAKIS, bekannt für die vielfältigen Kumquat-Produkte.

Verköstigung bei VASSILAKIS in Ag. Ioannis

Von der Möglichkeit des Probierens wurde reichlich Gebrauch gemacht und einiges mitgenommen. Man musste jedenfalls die Gewichtsbeschränkung auf 20 kg für die Koffer im Auge behalten. Um 11.30 Uhr fuhren wir dann in lockerer Ausgehkleidung – aber trotzdem alle mit Helm – los nach Korfu-Stadt. Jörn hatte lockeres Fahren versprochen. Nach 10 km war der Hafen von Korfu erreicht. Auf der Hafenstraße fuhren wir bis zum Platz vor der Neuen Festung, wo wir die Fahrräder abstellten. Der Stadtrundgang begann mit einem Besuch der Neuen Festung, die tagsüber kostenlos besucht werden kann. Herrliche Blicke boten sich den Wikingern: Im Norden das Pantokratoras-Massiv, weiter östlich das albanische und griechische Festland und die vorgelagerte Badeinsel Vido sowie südöstlich die Altstadt mit dem markanten Turm der Kirche Agios Spiridon und der Alten Festung im Hintergrund. – Die Speichermodule der Digitalkameras hatte wieder reichlich zu tun.

Blick von der Neuen Festung auf den Alten Hafen

Durch einen tunnelartigen Durchgang verließen wir die Neue Festung und kamen direkt beim Marktplatz an. Vor allem Obst- und Gemüsestände und viele Fischhändler waren zu sehen. Über den Rathausplatz ging es vorbei an der Esplanade Richtung Alte Festung. Anschließend zum Gouverneurspalast und dann in die Altstadt zum Platz vor der Kirche Agios Spiridon.

Blick auf das Strandbad. Im Hintergrund die Badeinsel Vido und links der Mt. Pantokratoras

Auf dem Platia Mitropolis löste Jörn dann den gemeinsamen Rundgang auf. Treffpunkt war um 18.30 Uhr der Fahrrad-Abstellplatz. In Kleingruppen formierte man sich und suchte erstmal eine Erfrischung und Stärkung in einem der vielen Lokale. Wer sich entsprechend vorbereitet hatte, konnte abschließend auch noch ein Bad an einer kleinen Badestelle hinter der Amaze Cafe Bar nehmen oder nur so bei Meeresrauschen und den vorbeifahrenden Booten und Fähren die Seele baumeln lassen. Pünktlich um 18.30 Uhr waren alle beim verabredeten Treffpunkt. Zielsicher steuerte Jörn auf die ausgesuchte Taverne zu. Im schattigen Vorhof des Hauses war alles vorbereitet. Jörn hatte reichlich und hervorragend die Essens-Bestellung gemanagt. Ein wunderbarer Abschlussabend! Gut gesättigt mussten anschließend noch die 12 km Rückfahrt zum Hotel absolviert werden. Aber auch das war bei bester Laune und untergehender Abendsonne kein Problem. Zum Absacker trafen sich alle nochmal in Annas Taverne auf dem Dorfplatz und zogen eine erste Bilanz der Reise. Da die Abflugzeiten der Wikinger am nächsten Tag sehr unterschiedlich waren, müsste man sich von vielen Mitreisenden vorm aufs Zimmer Gehen schon verabschieden.

Resümee

hinten v. l.: Jörn, Elke, Barbara, Uwe, Jens – vorne: Marie, Simone, Marion, Alfons, Claudia, Andreas, Rolf

Insgesamt gesehen aus meiner Sicht wieder eine tolle Gruppenreise. Alle Alleinreisenden fanden schnell untereinander Anschluss und fühlten sich sichtbar wohl in der Gruppe. Konflikte: Fehlanzeige. Die Fahrräder von Ionian Bike & Hike waren in einem guten Zustand. Das Hotel Marida im Dorfkern von Ag. Ioannis hat durchaus seinen Charme, könnte aber wohl mal in mancherlei Hinsicht eine Auffrischung gebrauchen. Die Feuchtigkeit in den Erdgeschoss-Räumen des Liapades Beach Hotel war auch etwas unangenehm. Reiseleiter Jörn Hessen war immer guter Dinge, hatte alles im Griff und war immer ansprechbar. Auf den Tagesrouten kannte er sich bestens aus und warnte schon im Vorfeld vor dem nächsten großen Schlagloch auf der Straße. Die Touren waren bei etwas sportlichem Ehrgeiz gut zu bewältigen. Hervorragend auch seine Auswahl der Lokale für die Kaffee- und Mittagspausen. Und ein ganz großes Lob für die abendlichen Tavernenbesuche. In dieser Hinsicht war die Reise ein wirklich gelungenes kulinarisches Highlight!

Auf dem RBH von Hildesheim nach Potsdam

Vorbemerkungen

RBH-Logo Richtung Berlin
RBH-Logo Richtung Berlin

Der Radweg Berlin – Hameln (RBH) wurde von engagierten Radfreunden des ADFC-Hildesheim erkundet und dokumentiert. In erster Linie sind hier Uwe Jenss, der leider verstorben ist, und Karl-Heinz Arnold zu nennen. Letzterer hat seine vielfältigen Erkundungen zu diesem Radweg in dem Buch „Radweg Berlin-Hameln – Eine Landschaftserkundung und Kulturreise (Arete Verlag Hildesheim 2017)“ beschrieben. Ausführliche Informationen zum Radweg mit GPS-Tracks, Kartographie-Hinweisen, einem Übernachtungs-verzeichnis etc. findet man auf der Radtourenseite des ADFC-Hildesheim.

Eine gute Jahreszeit, die Schönheit des Radweges zu erkunden, ist der Mai mit seinen blühenden Rapsfeldern in den Bördelandschaften. Deshalb habe ich mich gemeinsam mit meiner Partnerin Carola am Samstag, 6. Mai 2017, auf die Strecke begeben und will an dieser Stelle einige Eindrücke  dieser Radreise in Wort und Bild wiedergeben. Alle Fotos – außer das obige Logo – sind von Carola und mir aufgenommen worden.

Etappe 1: Hildesheim – Schöppenstedt (80 km)

Da Hildesheim ja der Wohnort ist und die nähere Umgebung hinlänglich bekannt ist, erübrigte sich genauere Erkundung.

Wassermühle Nettlingen
An der Wassermühle Nettlingen

Zufahrt zum Salzgittersee
Zufahrt zum Salzgittersee

Ziemlich fix ging es auf den uns bekannten Wegen über Ottbergen und Nettlingen zum Salzgittersee und zum Schloss Salder, wo der kleine Park mit Teich hinter dem Schloss sich hervorragend für eine kleine Pause anbot.

Park hinter dem Schloss Salder
Der Park hinter dem Schloss Salder lädt zur Pause ein

Es zeigte sich wieder einmal, dass der Wind nicht immer von Westen kommt. Die sich drehenden Windräder zeigten an, dass Ostwind angesagt war, der die flotte Fahrt etwas abbremste. Etwas beschwerlich zu fahren ist der Wirtschaftsweg von Leinde zum Oderwald hinauf. Grober Schotter und die leichte Steigung werden bei vollem Gepäck zur mühseligen Fahrt.

Das uns bestens bekannte Wolfenbüttel wurde ganz ausgelassen und der direkte Radweg an der Straße vom Parkplatz am Oderwald (Straße zwischen WF-Halchter und der Autobahnauffahrt WF-Süd) nach Halchter hinunter gefahren. Dort kreuzt man die Bahnlinie z. Zt. auf einer für Fußgänger und Radfahrer errichteten Behelfsbrücke.  Direkt hinter der sich anschließenden Brücke über die Oker rechts ab kommt man wieder entlang des Okerufers auf den RBH Richtung WF-Okersiedlung/Elm-Asse. Hier kommt man am Ortsrand von Wolfenbüttel an einem Segelflugplatz vorbei.

Segelflugplatz bei Wolfenbüttel
Segelflugplatz an der Altenau bei Wolfenbüttel

Dann geht es durch die Dörfer zwischen Elm und Asse noch gut zwanzig Kilometer Richtung Schöppenstedt. Auf der Landstraße zwischen Groß Denkte und Mönchevahlberg müssen einige Höhenmeter am Rand der Asse überwunden werden, bevor auf Wirtschaftswegen und kleinen Landstraßen mitten durch die Schöppenstedter Mulde der Zielort Schöppenstedt, die Stadt der Streiche Till Eulenspiegels, erreicht wird.

Till Eulenspiegel-Skulptur
Till Eulenspiegel-Skulptur vor dem Schloss Schliestedt

Interessant in Schöppenstedt ist auch das stilvoll renovierte Fachwerkhaus hinter der Kirche Stankt Stephanus, die einen schiefen Turm hat.

Altes Fachwerkhaus in Schöppenstedt
Altes Fachwerkhaus in Schöppenstedt

Da die Übernachtungsmöglichkeiten wegen des Wochenendes im einzigen Gästehaus des Ortes, im Markt Eins, ausgeschöpft waren, mussten wir noch drei Kilometer weiter nach Eitzum zum Ferienhof Beutel, in der dortigen Gegend auch als Kaffeekannenmuseum  bekannt.

Kaffeekannenmuseum Eitzum bei Schöppenstedt

Etappe 2: Schöppenstedt – Seehausen (52 km)

Durch die lange Etappe des ersten Tages war am zweiten Tag etwas mehr Zeit für einen Besuch des neuen Museums bei Schöningen vorhanden.

Bei Eitzum am Elm
Bei Eitzum am Elm

Bei gutem Wetter ging es los von Eitzum am Rand des Elms durch die gelben Rapsfelder der Schöppenstedter Mulde. Zunächst kamen wir am Schloss Schliestedt vorbei, das ein Alten- und Pflegeheim beherbergt.

Schloss Schliestedt

Über dem Eingangsportal findet man die lateinische Inschrift PROCUL NEGOTIIS: „Beatus ille, qui procul negotiis ist der oft zitierte erste Vers aus dem 2. Gedicht der Epoden des lateinischen Dichters Quintus Horatius Flaccus ( ‚Horaz‘ , 65 – 8 v. Chr.). Er heißt so viel wie: Glücklich ist jener, der fern von den Geschäften ist.“ (vgl. Deutsche Wikipedia). Sehenswert im nächsten Ort Watzum ist die mächtige Kirche, die unübersehbar auf einem Hügel thront.

Lindenallee bei Ingeleben
Lindenallee bei Ingeleben

Auf einem Wirtschaftsweg mit einer Lindenbaumreihe und Blick auf den Heeseberg zur Rechten geht es weiter nach Ingeleben. Hinter Sölligen, wo ein großes Saatgutunternehmen für Rübensamen beheimatet ist, erreicht man das Tal der Schöninger Aue und zum ersten Mal das ehemalige Grenzgebiet BRD – DDR. Nachdem man die stillgelegte Bahnstrecke Schöppenstedt – Schöningen zweimal unterquert hat, geht es recht steil hinauf an den Elmrand nach Schöningen, wobei man das vorgelagerte Hoiersdorf durchkreuzt. Oben an der B 244 angekommen, hat man jetzt einen guten Blick auf den Schöninger Tagebau und auf das Museum Paläon. Man fährt dann auf dem Radweg der Bundesstraße direkt auf die Kirche St. Lorenz zu, die als Besonderheit einen von Gemeindemitgliedern gestalteten Bibelgarten hat. Den Pfeilen der Radlerschilder folgend lässt man sich in den Ortskern hinunterrollen. Hier kommt man am Schloss vorbei und schließlich zum Marktplatz mit dem Wasserträgerin-Brunnen. Gegenüber steht die alte Lateinschule mit Renaissancefassade, die heute das Heimatmuseum beherbergt.

Der Marktplatz Schöningen
Der Marktplatz Schöningen mit Wasserträgerin-Brunnen

Auf der alten Hötenslebener Straße verlassen wir Schöningen. Links des Weges sind schon die Absperrungen zum ehemaligen Braunkohle-Tagebau sichtbar. Wenn die Kleingärten zur Rechten aufhören, wird die alte Straße zum echten Radweg und dann sieht man es auch schon vor sich liegen: Das 2013 eröffnete Paläon – Forschungs- und Erlebniszentrum Schöninger Speere.

Das Paläon bei Schöningen
Das Paläon bei Schöningen

Da wir an einem Sonntag unterwegs waren, war der Besucheransturm recht passabel. Das Bistro war gut besucht, und um 14 Uhr wurde die nächste Familienführung angeboten, die wir uns nicht entgehen lassen wollten. Nach einer interessanten Führung durch die Ur- und Frühgeschichte konnten sich die Teilnehmer auf der Wiese im Erlebnisdorf im Speerewerfen üben. Nach dem Museumsbesuch mussten bis nach Seehausen noch 25 km gefahren werden. Direkt hinter dem Paläon kommt man am Infopunkt Braunkohletagebau vorbei, der vom Tagebaubetreiber E.ON hier aufgestellt wurde.

Tagebau Schöningen mit dem ehemaligen Kraftwerk Buschhaus
Tagebau Schöningen mit dem ehemaligen Kraftwerk Buschhaus im Hintergrund

Dann folgt unmittelbar am Ortsrand von Hötensleben das Grenzdenkmal, das an die Grenzanlagen zu DDR-Zeiten erinnern soll. Von dort geht es auf einer Landstraße weiter nach Barneberg.

Am Grenzdenkmal bei Hötensleben
Am Grenzdenkmal bei Hötensleben

Der Ort wird auf einem Wirtschaftsweg verlassen, bevor man kurz vor Üplingen wieder auf eine Landstraße kommt. Hinter dem Gutshof Üplingen geht es hinauf auf den Bullenberg, wo aufgrund der exponierten und großflächigen Höhenlage mit etwas über 200 Höhenmeter ein riesiger Windpark entstanden ist. Das Surren der Windräder ist ein ständiger Begleiter. Ausblicke auf den Harz mit Brocken blieben uns wegen der diesigen Witterung leider verwährt; in westlicher Richtung war aber der am Vormittag passierte Heeseberg noch sichtbar. Vorsichtig ging es auf Schotter- und Plattenwegen hinunter zur Landstraße nach Eggenstedt, wo in der Ortsmitte die Allerquelle zu finden ist.

An der Allerquelle in Eggenstedt
An der Allerquelle in Eggenstedt

Der Platz hat aber sicher auch schon mal bessere Tage erlebt. Jetzt sind noch ca. 6 km Landstraße bis Seehausen zu fahren. Den letzten Kilometer lässt man sich zum Ort hinunterrollen. Man kommt direkt auf der Straße am See an. Als Übernachtungsmöglichkeit bot sich die Zimmervermietung Kiesel an. Im Ort gibt es als einziges Speiselokal in der ehemaligen Pension Hopfengarten das griechische Restaurant MATI.

Abendstimmung am See in Seehausen
Abendstimmung am See in Seehausen

Etappe 3: Seehausen – Gommern (62 km)

Die neue Woche begann am Montag mit sehr kühlen Temperaturen. Die Eisheiligen lassen grüßen! Zum Glück kam der frische Wind jetzt aus Nordwest, so dass er uns unterstützte, wenn es ostwärts ging. Auf Wirtschaftswegen hatte man deshalb schnell das ehemalige Kloster Meyendorf erreicht.

Kloster Meyendorf
Kloster Meyendorf

Die Klosteranlage ist jetzt eine Stätte für betreutes Wohnen; daneben der riesige landwirtschaftliche Betrieb des ehemaligen Klostergutes. Weiter geht es nach Klein Wanzleben, dem traditionsreichen Ort der Zuckerrübenverarbeitung in der Magdeburger Börde. Nachdem man den nicht gerade sehr ansehnlichen Ortskern durchquert hat, kommt man am südöstlichen Ortsrand zunächst am 2013 errichteten Infopunkt „175 Jahre Zuckerproduktion“ vorbei.

175 Jahre Zuckerproduktion Klein Wanzleben
175 Jahre Zuckerproduktion Klein Wanzleben

Dann führt der Radweg direkt an der riesigen Fabrikanlage vorbei, die eher an eine Chemiefabrik erinnert, weil hier seit 2007 auch Bio-Ethanol (Bio-Benzin) produziert wird. Flott geht es weiter auf gut geteerten Wirtschaftswegen vorbei an riesigen Rübenfeldern, auf denen die frischen Triebe gerade aus der Erde schauen, nach Wanzleben. Von dort aus erreicht man nach Querung der Umgehungsstraßen auf einer alten Straße den Ort Blumenberg, einem einstmaligen wichtigen Eisenbahnknotenpunkt. Im Ortszentrum findet man neben einem Löschteich einem Platz mit einigen Gedenksteinen. Dann geht es auf einer Nebenstrecke zur B246a. Diese wird nach kurzer Fahrt wieder verlassen, und auf einem Wirtschaftsweg geht es mit Rückenwind nach Langenweddingen. Bei der Ortsdurchfahrt kann man sich an den Hinweisschildern zum lokalen Sülze-Radweg orientieren. (Der RBH ist ja hier in Sachsen-Anhalt sowieso nicht ausgeschildert.) Die Landschaft ändert sich, da man die Magdeburger Börde so langsam hinter sich lässt. Es wird etwas hügeliger. Direkt vor Sülldorf kommt man am „Sülze-Salzsee“ vorbei und überquert die Sülze am Infopunkt.

Der Salzsee an der Sülze vor Sülldorf
Der Salzsee an der Sülze vor Sülldorf

Dann folgen nochmal etliche Kilometer Feld- und Plattenwege bis nach Welsleben. Auffallend in diesem Ort sind vielen Bördebögen, die aufwändig gestalteten Hofeinfahrten. Die Autobahn A71 und die Umgehungsstraße mit neuer Elbbrücke bei Schönebeck führten zu einer neuen Wegführung zum  Doppelort Bad Salzelmen/Schönebeck, die aber gut zu absolvieren ist.

Rapsfelder vor Bad Salzelmen
Rapsfelder vor Bad Salzelmen

Einfach den Weg beim NP-Markt am Ortsausgang von Welsleben folgen und die Autobahn und die Umgehungsstraße auf den Brücken kreuzen und dann auf dem Wirtschaftsweg – zunächst parallel an der Umgehungsstraße – nach Bad Salzelmen hinunterrollen. Man kommt dann direkt am Kurpark, Gradierwerk und Bahnhof Salzelmen an.

Das Gradierwerk Bad Salzelmen
Das Gradierwerk im Soleheilbad Bad Salzelmen

Der Hauptort Schönebeck bietet auch eine Menge Sehenswertes. Näheres findet man in dem Buch von Karl-Heinz Arnold detailliert beschrieben.

Rathaus mit Salzmuseum Bad Salzelmen
Rathaus mit Salzmuseum Bad Salzelmen

Aus Zeitgründen konnte von uns nicht alles angeschaut werden, zumal das Wetter mit einsetzendem Regen immer schlechter wurde. Der Wind auf der Elbbrücke blies heftig. Auf dem Radweg im Schutze des Wäldchens ging es weiter nach Elbenau. Hier in der Elbaue fährt man auf einer Alternativroute es Elberadweges weiter nach Plötzky und quert einen alten Elbarm.

St. Maria und Magdalena in Plötzky
St. Maria und Magdalena in Plötzky

Bei guten Wetter wäre der Fahrradverkehr hier sicherlich ausgeprägter als an diesem kalten und regnerischen Montag im Mai 2017. Deichbauarbeiten zum Hochwasserschutz erinnern an das Elbehochwasser von 2013.

Alter Elbarm bei Pretzien
Alter Elbarm bei Pretzien

Von Plötzky geht es auf einem Radweg entlang der Straße durch die Kiefern, der aber bei dem feuchten Wetter gut zu fahren ist, nach Pretzien. Hier machten wir uns auf die Suche nach dem Pretziener Wehr.

Am Pretziener Wehr
Am Pretziener Wehr

Zuerst landeten wir aber auf dem Campingplatz und der Bootsanlegestelle, wo aber noch keine Gäste zusehen waren. Neben dem Wehr steht auf einem Podest eine Infotafel dazu. Zurück über Pretzien führt der Weg nach Gommern zunächst an Campingplätzen und Datschen vorbei. Am Ende des Campingplatzes verengt sich der Weg von einer Fahrstraße zum echten Radweg. In Gommern kommen wir direkt am Gesteinsgarten und Kulksee mit der Wanderdüne an.

Der Kulksee mit Wanderdüne bei Gommern
Der Kulksee mit Wanderdüne bei Gommern

Nach eingehender Besichtigung ist es zu unserer Unterkunft Hotel Robinien-Hof nicht mehr weit, das sich quasi direkt am Ende des Gesteinsgartens anschließt.

Das Hotel Robinien-Hof

Das Hotel Robinien-Hof am Gesteinsgarten in Gommern

Etappe 4: Gommern – Gräben (66 km)

Am nächsten Morgen war es immer noch sehr kühl, aber von der Bewölkung her etwas heller.

Innenhof vom Wasserschloss in Gommern
Innenhof vom Wasserschloss in Gommern

Zunächst wurde ein Abstecher in das Wasserschloss Gommern unternommen, das ein 4-Sterne-Hotel und eine Brauerei-Gaststätte beherbergt. Sehenswert auch der gut sanierte Ortskern mit dem Rathaus mit Barockfassade.

Rathaus von Gommern
Rathaus von Gommern

Auf einem schön geschotterten Radweg – wahrscheinlich ein ehemaliger Bahndamm – ging es zwischen blühenden Rapsfeldern weiter nach Dannigkow.

Bahndamm-Radweg hinter Gommern
Bahndamm-Radweg zwischen Gommern und Dannigkow

Dort sind wir wohl etwas vom Weg abgekommen und sind auf der für den Autoverkehr gesperrten und abgefrästen Bundesstraße 184 nach Leitzkau gefahren. Die Straßenbauarbeiter störten sich nicht daran. Von Weitem sah man schon die mächtige Basilika und Doppelschlossanlage von Leitzkau.

Basilika in Leitzkau
Schlosshof mit Basilika in Leitzkau

Dach kurzem Stopp dort ging es weiter auf der Landstraße über Ladeburg nach Möckern. Wegen der gesperrten Bundesstraße war hier jetzt ziemlich viel Verkehr, besonders auch große LKWs, so dass man froh war, die Landstraße wieder verlassen zu können und den Wirtschaftsweg zu nehmen, auch wenn der vom Belag nicht optimal ist.

Graupelschauer auf Wirtschaftsweg vor Möckern
Im Graupelschauer auf dem Wirtschaftsweg vor Möckern

Man ist hier wieder voll in Natur. Eine Baum- und Buschreihe an der Westseite bot Schutz bei einem aufziehenden Graupelschauer.

Rathaus von Möckern mit Stadtgöttin auf Stele
Rathaus von Möckern mit Stadtgöttin auf Stele

In Möckern angekommen, fiel das Rathaus mit großer Freitreppe, Barock-Giebeln und der Skulptur „Stadtgöttin“ auf dem Rathausplatz auf. Im ehemaligen Schloss ist die Grundschule untergebracht. Zum Kaffeetrinken oder Asia-Imbiss musste man zum Einkaufszentrum fahren, das auf dem Weg zum nächsten Ort Hohenziatz lag. Die Landstraße war hier nicht so stark befahren. Es ist der erste längere bewaldete Abschnitt auf der Tour. Man kommt jetzt so langsam in den Fläming. Hohenziatz  hat im Ortszentrum eine romanische Feldsteinkirche. Am Ortsende nach Lübarz ist der Hinweis auf die „Alte Poststraße nach Berlin“.

Hinweisschild Alte Poststraße nach Berlin in Hohenziatz
Hinweisschild „Alte Poststraße nach Berlin“ in Hohenziatz

Vielleicht haben wir es nicht aufmerksam genug im Radführer von Karl-Heinz Arnold gelesen. Die feuchte und kühle Witterung trug sicherlich dazu bei, dass wir die ganze Strecke auf dem alten Alleen- und Waldweg bis nach Drewitz ganz gut fahren konnten. Die eigentliche Wegeführung des RBH nach Drewitz ist die Landstraße über Lübarz.

Auf der Allee der Alten Poststraße nach Drewitz
Auf der Allee der „Alten Poststraße nach Berlin“ zwischen Hohenziatz und Drewitz

Vollkommen abgeschieden, keine Verkehrsgeräusche, nur das Rascheln der Bäume im Wind und Vogelgezwitscher. Ab Drewitz rollten wir auf der Landstraße weiter nach Magdeburgerforth. Der Verkehr hier ist nicht gering, da man sich auf Zufahrtsstraßen zur Autobahn A2 befindet. Am Ortsende biegt man in den Dretzener Weg und fährt auf einem gut geschotterten Weg kilometerlang durch den Fläming. In Dretzen hat man Sachsen-Anhalt verlassen und befindet sich jetzt im brandenburgischen Landkreis Potsdam-Mittelmark. Von Dretzen führt eine schmale Teerstraße durch ein Kiefernwäldchen nach Buckau.

Fläming-Idylle zwischen Dretzen und Buckau
Fläming-Idylle zwischen Dretzen und Buckau

Wenn man sich nicht das Ortszentrum von Buckau anschauen will, kann man am Ortsrand gleich rechts den neuen Radweg auf der früheren Bahntrasse nach Rottstock nehmen, ein 2012 neu erschaffener Radweg von Ziesar nach Görzke für Fläming-Urlauber. Der Ortskern mit Kirche, alter Schule und RadPfarrhaus ist aber durchaus sehenswert.

Das "RadPfarrhaus" in Buckau
Das „RadPfarrhaus“ in Buckau

Leider war das RadPfarrhaus wohl nicht „in Betrieb“, als wir Anfang Mai 2017 dort waren. Die Übernachtungsmöglichkeiten in dieser Gegend sind wirklich nicht sehr vielfältig, wenn man nicht nach Ziesar ausweichen möchte. Das einzige Gasthaus in Rottstock, Gasthof Haug, hatte am Dienstag Ruhetag. Wir hatten zum Glück ein Quartier in Gräben in der Wassermühle gefunden. Dafür sind vom Radweg-Abzweig in Rottstock über Dahlen nochmal 8 Kilometer zu fahren. Leider sind wir in Rottstock zu früh am Radweg nach links abgebogen und über schwierige Reit- und Sandwege mitten im Wald bei der nicht mehr bewirtschafteten LPG Struvenberg gelandet, bevor wir wieder die Landstraße Görzke – Dahlen – Gräben erreicht hatten. In Gräben gibt es kein Gasthaus. Die Vermieterin der Wassermühle Gräben hatte aber für uns absprachegemäß zum Abendessen etwas eingekauft. In der großen Küche der ehemaligen Mühle konnten wir uns unser Abendessen dann selbst herrichten. Auch das wohl verdiente Bier fehlte nicht. Beim abendlichen Spaziergang durch den Ort kläfften nur die Hunde in den Höfen der noch bewohnten Häuser. Ansonsten waren wir allein unterwegs; eine etwas gespenstische Atmosphäre bei einsetzender Dämmerung und Mondschein zwischen einigen verfallenen und nicht mehr bewohnten Häusern des kleinen Dorfes in der Potsdamer Mittelmark. Eigentlich fehlte nur noch ein Wolfsrudel….

Etappe 5: Gräben – Potsdam (66 km)

Die Weiterfahrt am nächsten Morgen verzögerte sich durch eine Reifenpanne.

Radpanne in der Wassermühle Gräben
Radpanne in der Wassermühle Gräben

Aber nach einer halben Stunde war diese behoben, so dass es zur RBH-Wegführung 2 Kilometer bergan zurück nach Dahlen ging. Der kleine Ort etwas abseits der Straße hat ein altes Gutshaus im Schinkel-Stil, in dem jetzt ein Alten- und Pflegeheim untergebracht ist. Gegenüber findet man eine kleine gut renovierte Fachwerkkirche mit frei stehendem Glockenturm daneben.

Fachwerkkirche in Dahlen
Fachwerkkirche in Dahlen

Ein schöner Abschnitt des RBH folgt als nächstes. Auf einer kleinen Teerstraße, auf der höchstens mal mit Holz beladene LKWs vorbeikommen, fahren wir durch die sandigen Kiefernwälder des Fläming.

Verlorenwasser
Blick auf Verlorenwasser

Dabei wird der Bach Verlorenwasser gekreuzt und die kleinen Weiler und Forsthäuser Hohenspringe, Egeline sowie Verlorenwasser werden passiert. Kurz vor dem Örtchen Weitzgrund eine weitere Besonderheit: 1974 berechneten Wissenschafter und Studierende der TU Dresden, dass hier der Massenschwerpunkt der DDR sei. 1995 wurde der „Mittelpunkt der DDR“ vom Förderverein „Pro Belzig“ um einen Findling erweitert, die Schutzhütte instand gesetzt und eine Infotafel erstellt.

Am Mittelpunkt der ehemaligen DDR
Am Mittelpunkt der ehemaligen DDR

In Weitzgrund geht es an dem Reiterhof vorbei weiter nach Dippmannsdorf. Man fährt jetzt allerdings wieder auf einer Mischung aus Sand und Schotter. Nach Dippmannsdorf hinab wird es aber grausig: 500 Meter grobes Feldsteinpflaster machen die Fahrt zur Teststrecke für die Qualität von Tourenrädern. Zum Glück ist die Holperfahrt am Ortsrand vorbei! Jetzt ist man im Baruther Urstromtal angekommen, das über Ragösen und Golzow gekreuzt wird. Von Golzow fahren wir auf einer Allee mit Eichen, Eschen und Robinien durch den Wald der Zauche nach Michelsdorf. Auffallend: Die Bäume hier sind durchnummeriert. Das Dorf Oberjünne liegt etwas abseits, lud uns aber zu einer kleinen Mittagspause ein. Von Michelsdorf rollten wir auf einem neuen Radweg neben der Straße schnell hinunter nach Lehnin.

Zisterzienserkloster Lehnin
Zisterzienserkloster Lehnin

Das Zisterzienserkloster liegt ziemlich im Ortszentrum. Die dreischiffige

Pfahl mit Wander- und Radwanderschildern
Pfahl mit Wander- und Radwanderschildern an der Alten Potsdamer Straße in Lehnin

Klosterkirche kann besichtigt werden und gilt als eines der bedeutendsten Backsteinbauwerke der Mark Brandenburg. Am nordöstlichen Ortsende von Lehnin findet man die „Alte Potsdamer Straße“. Dort ist am Waldrand ein Pfahl mit vielen Hinweisschildern für Wanderer und Radfahrer. Eine letzte Walddurchquerung steht bevor, dann hat man das Umland von Potsdam erreicht. Der Weg hat am Anfang neben dem eigentlichen Fahrweg einen schmalen geschotterten Radweg, der mit zunehmender Strecke aber leider immer mehr zugewachsen ist. Kurz vor der Autobahnunterführung wird der Hauptweg wieder besser, danach noch ein kurzes Stück Kopfsteinpflaster und dann eine kurz ansteigende Sandpiste, auf der das Rad nur geschoben werden kann. Dann hat man auch bald den Ortsrand von Bliesendorf erreicht.

Die Alte Potsdamer Straße zwischen Lehnin und Bliesendorf
Die Alte Potsdamer Straße zwischen Lehnin und Bliesendorf

Die rege Neubautätigkeit in dieser Gemeinde zeigt an, dass man nun die ärmlichen Gebiete der Mark Brandenburg verlassen hat und geradewegs auf den Potsdamer Speckgürtel zusteuert. Bevor wir Petzow am Schwielowsee erreichen, lässt der Straßenbau der DDR grüßen: Straßen aus Betonplatten mit großen Löchern machen Krach und schütteln den Radfahrer nochmal kräfig durch. Vielleicht waren hier zur Zeit des kalten Krieges diverse Militärkolonnen unterwegs. An der Engstelle zwischen Glindowsee und Schwielowsee in Petzow kommt der RBH mit dem Radweg R1/D3 zusammen. Wir kommen zur Baumgartenbrücke, die den Schwielowsee vom Großen Zernsee trennt.

Blick von der Baumgartenbrücke
Blick von der Baumgartenbrücke auf den Großen Zernsee Richtung Werder

Nach der Überquerung geht es am Ufer des Schwielowsees weiter zur Landenge bei Caputh. Dort gab uns ein freundlicher ortskundiger Radfahrer Tipps, wie wir am besten unser Quartier, das Quartier Hostel am Park Sanssouci in Potsdam/Bornstedt, erreichen können. Da wir einerseits durch frühere Potsdam-Aufenthalte mit Stadt und Umfeld noch etwas vertraut waren und andererseits überall Hinweisschilder zu finden sind, war das kein Problem mehr. So kamen wir gegen 18 Uhr in der letzten Unterkunft unserer Reise an.

In Potsdam/Bornstedt am Park Sanssouci angekommen
In Potsdam/Bornstedt am Park Sanssouci angekommen

Abschlusstag in Potsdam / Resümee

Obwohl der Weg ja bis zum Brandenburger Tor in Berlin ausgewiesen ist, war für uns von vorn herein die Tour nur bis Potsdam geplant. Das hatte mehrere Gründe. Zum einen sind wir die Strecke von Berlin bis Potsdam durch den Grunewald und am Wannsee schon einmal gefahren, als wir vor ca. 10 Jahren zwei Wochen auf dem Spreeradweg von der Quelle bis Berlin unterwegs waren. Zum anderen: Potsdam war uns zwar schon von früheren Besuchen bekannt.

Am Brandenburger Tor in Potsdam
Am Brandenburger Tor in Potsdam

Aber für Radfahrer ist es geradezu ideal, die vielen Parks, Schlösser und anderen historischen Bauten dieser Stadt, dem ehemalige Zentrum Preußens, zu erkunden. Das Faltblatt „Panoramaradtour“ von der Tourist-Info Potsdam gibt Tipps dazu. Zumal das Wetter sich jetzt auch von seiner besseren Seite zeigte, haben wir mit einen Abschlusstag in Potsdam alles richtig gemacht.

Belvedere auf dem Pfingtsberg
Belvedere auf dem Pfingstberg

Die einzelnen Highlights sollen hier jetzt nicht aufgezählt werden. Einzig: Der Besuch des Belvedere auf dem Pfingstberg stand für uns erstmalig auf dem Programm und der Blick von der Aussichtsplattform war bei besten Sichtverhältnissen ein einmaliges Erlebnis.
Die Rückfahrt mit der Bahn am übernächsten Tag war kein Problem. Wir kauften uns am Fahrkartenautomaten im Hauptbahnhof Potsdam ein Quer-durchs-Land-Ticket für den Nahverkehr für 52 Euro sowie zusätzlich zwei Fahrradtickets, die aber eigentlich nur in Niedersachsen gebraucht werden. Die Abfahrt in Potsdam war gegen 11.30 Uhr. Umsteigebahnhöfe waren Magdeburg und Goslar. Kurz nach 15.30 Uhr kamen wir in Hildesheim Ostbahnhof an.

Insgesamt gesehen war die Radtour ein tolles Erlebnis. Der Reiz der Strecke liegt, wie Karl-Heinz Arnold in seinem Buch herausgearbeitet hat, in dem Durchfahren der verschiedenen Landschaftsformen zwischen dem Norddeutschen Tiefland und dem Übergang zur Mittelgebirgsschwelle. Außerdem findet man bei genauerer Betrachtung viele interessante kulturelle Eindrücke, die im Vergleich zu anderen Radwegen durchaus ebenbürtig sind und die man so gar nicht vermutet hat.

Auf Radtour von Hildesheim nach Goslar

Die Tour führt am Anfang von Hildesheim nach Derneburg auf den bekannten Wegen. Anschließend über Holle nach Sillium und von da über die Autobahn in den Hainberg zum Jägerhaus. Der Weg ist frisch geschottert, gut zu fahren und auch nicht zu steil.

Wanderwege am Hainberg
Hinweistafel Wanderwege im Hainberg am Jägerhaus (Fahrstrecke rot markiert)

Nach einem kurzen Stück auf der Straße von Volkersheim Richtung Sehlde geht es rechts wieder auf einem Schotterweg bergab nach Bodenstein. Am Waldrand vor Bodenstein könnte man die Räder abstellen und einen Abstecher zu Fuß zu den bekannten Klippen machen, wenn genug Zeit eingeplant ist.

Bodensteiner Klippen
An den Bodensteiner Klippen

In Bodenstein direkt über die Kreuzung fahren bis zur Straße nach Lutter. Hier ein Stück Richtung Lutter fahren und dann rechts auf einem geteerten Weg zu den Sandgruben am Waldrand fahren. Links an der Sandgrube vorbei in den Wald bis zu einer Kreuzung. Hier links abbiegen und auf dem Waldlehrpfad Richtung Nauen, teilweise recht steil bergan. Wenn man den Kamm erreicht hat, weiter Richtung Parkplatz Schreckenberg. Man kommt an einer Aussichtsplattform vorbei, die die Schlacht bei Lutter im 30-jährigen Krieg erklärt.

Aussichtspunkt zur Schlacht bei Lutter
Aussichtspunkt zur Schlacht bei Lutter am Waldlehrpfad oberhalb von Nauen

Schlacht bei Lutter
Hinweistafel zur Schlacht bei Lutter im 30-jährigen Krieg

Entweder dieser Platz oder der bald folgende Parkplatz am Schreckenberg laden zu einer Pause ein, da man jetzt auch in etwa nach gut zwei Stunden Fahrt die Hälfte der Strecke absolviert hat. Am Parkplatz treffen sich auch der Fernwanderweg Hildesheim-Harz sowie der Königsweg Brüggen – Pfalz Werla.

Rastplatz am Schreckenberg
Rastplatz am Schreckenberg am Nauener Berg

Hinweistafel Königsweg
Hinweistafel Königsweg Brüggen – Werla am Schreckenberg

Steil hinab führt die Straße in Serpentinen in die Ebene bei Lutter am Barenberge vor den Harzbergen. Dabei werden zunächst die Bahnlinie Seesen – Ringelheim und dann nacheinander die B 248 sowie die B 82 gekreuzt, bevor der R1 bzw. Harzrund-Radweg (Symbol: Hexe auf Rad) zwischen Hahausen und Langelsheim erreicht wird. Achtung: Hier muss vorher die Bahnlinie Seesen – Goslar überquert werden. (Kein offizieller Bahnübergang!!). Jetzt geht es auf der ehemaligen Straße Seesen – Goslar weiter Richtung Langelsheim.

Radwegschild R1/Harzrundweg
Radwegschild R1/Harzrundweg(Hexe) zw. Hahausen und Langelsheim

Abkürzung MTB-Pfad am R1
Abkürzung MTB-Pfad am R1 Richtung Langelsheim

Hinter dem R1-Schild geht es recht steil vom Waldrand in den Wald hinein. Man kann dieses Steilstück umfahren, indem man gleich links einen kleinen Mountainbike-Pfad fährt, was bei halbwegs trockenem Wetter auch mit einem Tourenrad möglich ist. Über Feldwege erreicht man dann den Normalweg wieder direkt vor der Brücke über die Umgehungsstraße B 82. Hinter der Brücke beginnt das Randgebiet von Langelsheim. Der R1 ist durch den Ort mit den grünen Pfeilen recht gut ausgeschildert, geht durchs Ortszentrum und am Langelsheimer Bahnhof vorbei, kreuzt wieder die B 82 und anschließend die Landstraße nach Wolfshagen. Oberhalb von Astfeld und über Herzog-Julius-Hütte, wo man den Granestaudamm gut sieht, geht es auf einem geschotterten Weg parallel zur Bahn nach Goslar. Das wäre die kurze und schnelle Alternative nach Goslar.
Will man nun die beiden Talsperren mitnehmen und sich noch etwas durch den Harzberge quälen und den Erlebniswert steigern, fährt man am besten in Langelsheim an der Innerstebrücke den ausgeschilderten Radweg Richtung Innerstetalsperre/Lautenthal.

Radwegekreuzung in Langelsheim
Radwegekreuzung in Langelsheim an der Innerstebrücke

Es handelt sich ab Ortsende Langelsheim um den alten Bahndamm nach Lautenthal, der zu einem geteerten Radweg umgebaut wurde. Der Einstieg hinter der Chemie-Industrieanlage ist nicht so ganz leicht zu finden. Aber dann geht es leicht ansteigend auf dem alten Bahndamm zur Innerstetalsperre.

Innerstetalsperre
An der Staumauer der Innerstetalsperre

Will man nun nach einer Rast an der Staumauer der Innerste-Talsperre auf direktem Wege an Wolfshagen vorbei zur Granetalsperre, muss man der Beschilderung des alten Harzrund-Radweges/R1 (altes Hexenschild) folgen. Der Weg wurde wohl als Radweg aufgegeben, ist aber auf manchen neueren Radkarten (z. B. Kompass 3048 – Ausgabe 2011) noch als offizieller R1-/Harzrund-Radweg eingezeichnet. Dieser Abschnitt ist bei etwas Durchhaltewillen und halbwegs trockener Witterung durchaus mit einem Tourenrad zu befahren. Er ist auf vielen Streckenabschnitten identisch mit dem Wanderweg “Harzer Försterstieg” und bietet viele Ausblicke auf die Hutewälder rund um Wolfshagen – auch viele Schautafeln säumen den Weg. Während Wanderer über die Fußgängerbrücke bei der Bushaltestelle den Einstieg in den Försterstieg nehmen, sollten Radfahrer etwas zurück in Richtung Langelsheim fahren und dann den Weg unter dem Bahndamm hindurch rechts in den Wald. Hier das Hexenschild suchen oder sich anhand von Karte/Navi orientieren.

Hinweistafel Försterstieg
Hinweistafel Försterstieg zwischen zwischen Innerstetalsperre und Schäderplatzbaude

Nach etwa 500 m geht es jedenfalls recht steil und ausgiebig bergan. Hat man die Anhöhe erreicht, ziemlich scharf links den Weg nehmen, der sozusagen an der ersten Hutewald-Freifläche vorbeiführt. Man kommt auf kurvigen und leicht abschüssigen Wegen zum Rastplatz Schäderhütte, kreuzt etwas versetzt die Straße Wolfshagen – Lautenthal und kommt dann zum Schäder-Panorama mit wunderbarem Ausblick auf Wolfshagen.

Schäderplatz bei Wolfshagen
Panorama am Schäderplatz bei Wolfshagen

Am Campingplatz von Wolfshagen verlässt man die Freiflächen. Es geht auf schmalem Weg ziemlich steil hinab zu einer Kreuzung. Hier den Radschildern (Hexe) und der Wegebezeichnung Varleystraße folgen. Nach einer weiteren Schutzhütte kommt man an die geteerte Uferstraße der Granetalsperre. Nach 3 km erreicht man den Parkplatz an der westlichen Seite der Staumauer.

Staumauer Granetalsperre
Blick auf die Staumauer der Granetalsperre

Infopunkt Granetalsperre
Infopunkt der Harzwasserwerke auf der Staumauer der Granetalsperre

Im Gebäude der Harzwasserwerke gibt es eine Ausstellung; auch auf dem Staudamm befindet sich ein Info-Punkt mit Hinweistafeln. Auf der geteerten Strecke am Ostende der Staumauer lässt man sich hinunterrollen Richtung Herzog-Julius-Hütte. Achtung: Wenn man die Bahnlinie erreicht hat, scharf rechts auf dem Schotterweg nach Goslar; hier laufen die Wege wieder zusammen. An der Straße “Am Nordberg” erreicht man Goslar.

Am Nordberg
R1-Radwegschild an der Straße „Am Nordberg“ am Ortsrand von Goslar

Der ausgeschilderte Radweg geht rechts weiter zur Jugendherberge und dann nach Oker und Bad Harzburg. Wir wollen nach 65 erlebnisreichen Kilometern zurück nach Hildesheim und darum zum Bahnhof. Deshalb links ab, zweimal unter der Bahn durch, am Friedhof vorbei der Radwegbeschilderung (grüne Pfeile) folgen, wo man dann über die Hildesheimer Straße ziemlich schnell den Bahnhof erreicht hat. Wer noch in die Innenstadt will, muss natürlich über den Bahnhof hinaus weiterfahren.