Skifoahr´n in Kössen – dös koannst vergess´n

Auf der Suche nach dem optimalen Skitag im Januar 2007 im “Schneewinkel Tirol”.

Sa, 06.01.2007 (Anreisetag): Die aus Prinzip nächtlich anreisende Vorhut der Gruppe (Motto: Tagesanreise = verschenkter Urlaubstag) konnte sich schon mit der Realität vertraut machen: Ein mehr oder weniger verregneter Alpinskitag im St. Johann war der Lohn für das etwas verfrühte Aufstehen am Samstag morgen (ca. 1.00 Uhr). Tagesskipass: 32,50 Euro
Schneehöhe in Kössen/Ort: 0-10 cm; Loipen geöffnet: keine; Essen im Dorfstadl: Ok; Raumluft: schlecht

So, 07.01.2007: Der Kaiserwinkl zeigt sich stark verhangen, leichter bis mäßiger Regen beim Frühstück. – Panorama-Kamera Bärenhütte/Unterberghorn: Grausiges Wetter – Abarbeiten des vorgenommenen Pflichtprogramms: Abholen der Loipengästekarte im Verkehrsbüro. Die Dame ist von der positiven Grundstimmung der Gruppe trotz der Wetterlage sehr angetan und spendiert zur Aufrechterhaltung derselben einen Schnaps.
Wechsel zum Nordic-Center: Die Wachsski sollen fachmännisch mit sog. Wachsbändern bestückt werden. Kössens LL-Ski-Lehrer-Legende Alfons kennt keine Gnade. Er hat gerade zwischen den Wasserpfützen im Nordic-Stadion mit gymnastischen Übungen für seine neuen Skikursteilnehmer begonnen.
Die Hildesheimer Gruppe beschließt, die Schnee-, Wetter- und Loipenlage in Reit im Winkl vor Ort zu inspizieren. Man fährt auf den Parkplatz des Ortsteils Blindau: Weiterhin Regen, ca. 5-10 cm alter Nassschnee, Reste von Loipen sind erkennbar. Man beschließt deshalb, die Ski in den Boxen zu belassen, den Regenschirm aufzuspannen und nach Reit im Winkl/Zentrum zu wandern. Auf der Wanderung werden tatsächlich Langläufer gesichtet. Das gibt dem einen oder anderen doch zu denken: “Sind wir etwa doch Weicheier?” – Oder: “Haben die sie noch alle?” In Reit im Winkl wird angesteuert: Sport Dorner (macht aber gerade zu) – Skihütte (hat geschlossen) – Eisdiele (hat zum Glück offen) – Kirche (hat offen) – Skimuseum (hat zu) – Friedhof (hat offen) – Dorflift (hat offen) – Dann zurück zum Parkplatz, ca. 15.00 Uhr. Damit ist der erste skifreie Tag rum und die Gruppe fährt zurück in die Pension.

Mo, 08.01.2007: Hoffnung keimt auf: Der Blick nach draußen zeigt zwar grauen Einheits-Nebel. Jedoch die Fernseh-Panorama-Bilder bieten schönsten blauen Himmel über den im grauen Nebel liegenden Tälern. Fazit: Man muss also nur höher hinaus, um dem Einheitsgrau zu entgehen. Die Gruppe teilt sich ohne große Diskussion auf in die Abfahrts- und Langlaufsektion. Die Langläufer fahren auf die Winklmoosalm, die Abfahrer suchen und testen das “best versteckte Skigebiet” (Werbeslogan) Fieberbrunn im Pillerseetal. Sie finden es tatsächlich und werden nicht enttäuscht. Die Pistenverhältnisse und Abfahrtsmöglichkeiten sind zwar nicht optimal, aber noch hinnehmbar.

Skigebiet Fieberbrunn
Mit Gudrun und Bernd im Skigebiet Fieberbrunn

Für den Rest entschädigt sie ein sonniger Tag mit phantastischen Ausblicken auf die umliegende Bergwelt.
Die Langläufer finden auf der ihnen bekannten Winklmoosalm zunächst eine hart gefrorene Spur vor, die einiges Geschick bei den Abfahrten erfordert. Die frisch aufgezogenen Wachsbänder werden arg beansprucht und sind an den Innenkanten schnell abgefahren. Mit zunehmender Sonneneinstrahlung und Temperaturerhöhung ändern sich die Verhältnisse zum besseren. Sie treffen in der Nähe der Morlackalm ein weiteres Hildesheimer Duo, das in Ruhpolding verweilt.
Die Abfahrer-Sektion hatte auf der Rückfahrt von Fieberbrunn noch einen weiteren Auftrag zu erledigen. Erkundung der Loipenlage im Pillerseetal und in Hochfilzen, dem österreichischen Biathlonzentrum, wo ja noch einiges gehen sollte. Und richtig: Die Schneelage in Hochfilzen sah ordentlich aus, die ansässige LL-Schule bestätigte, dass Langlauf möglich ist. Außerdem: Auf der Fahrt durch das Pillerseetal werden  in den Orten St. Jakob und St. Ullrich aktive Langläufer auf vorhandenen Loipen gesichtet.
Das waren ja gute Aussichten für die nächsten Tage! – Und abends noch Knödeltag im “Rainer-Wirt”! Es war also fast alles so wie immer, bis auf den fehlenden Schnee in Kössen.

Di, 09.01.2007: Die Geräusche der Dachrinne und der Blick nach draußen beim Aufstehen lassen nichts Gutes erahnen. Es regnet in Strömen. Auch nach dem Frühstück noch. Man beschließt trotzdem, zum Pillerseetal aufzubrechen. Für den Fall, dass wirklich keine Besserung in Sicht ist, wird Plan B (=Baden/Sauna) gleich mit vorbereitet. Im St. Jakob regnet es genau so wie in Kössen; deshalb wird Plan B umgesetzt. Der “Saunabeauftragte” inspiziert das Auebad in Fieberbrunn. Die Sauna macht heute auch schon um 12 Uhr auf. Bis dahin wird im Bad geschwommen, geplanscht, gerutscht und die Unterwassermassage genutzt. Dann kommen für den größeren Teil der verhinderten Skiläufer die ersten Saunagänge. Der Rest der Gruppe (nur Baden) verlässt bald das Bad. Als allerdings der Saunabetrieb so gegen 14.30 Uhr in Fahrt kommt und die einheimischen Aufguss-Fetischisten das Ruder in der finnischen Sauna übernehmen, wird es eng und der Spaß ist vorbei. Man hat ja auch schon genug gebruzzelt und macht sich so langsam gegen 15.30 Uhr auf den Heimweg nach Kössen. Es regnet immer noch, also richtige Entscheidung. Kössen ist bei der Ankunft schneefrei.

Mi, 10.01.2007: Ähnliche Wetterlage wie am Montag: In den Tallagen Nebel, auf den Bergen Sonne. Also Aufbruch nach Hochfilzen zum Langlauf in der Hoffnung, dass sich die Sonne dort noch durchsetzt. Bei Ankunft ist der Ort (ca. 1000 m Seehöhe) allerdings noch voll im Nebel, während es 5 km vorher in Fieberbrunn (800 m) schon sonnig war. Das sollte sich leider den ganzen Tag über nicht ändern. Die Sonne hat es nicht geschafft. Schneehöhe bis max. 20 cm, sehr feucht – Luft-Temperatur ca. +5 ° C.
Der Tageskartenverkäufer (2,50 Euro Loipengebühr) bestätigt, dass noch 2 Loipen zu befahren sind, die Dorfloipe (2 km) und die Warmingloipe (5 km). Also war klar, was zu tun war: 3x Warming-, 2x Dorfloipe und 25 Punkte waren eingesackt. Gesagt, getan. Es wird auch noch die Verbindung ins Pillerseetal versucht, was aber wegen des zunehmenden Schneemangels nicht realisiert werden kann. Die Dorfloipe weist am Nachmittag an einigen Stellen 10 – 20 cm tiefe Wasserläufe auf, die geschickt passiert werden müssen. Außerdem leistet sich die Gruppe zur Mittagszeit einen Einkehrschwung im Gasthaus Warminger Hof.

Do, 11.01.2007: Wieder die gleiche Wetterlage: Sehr dichter Nebel im Tal, Sonne am Berg. Ein Alpinfahrer macht sich auf nach St. Johann. Die anderen schwanken zwischen Pillerseetal und Hemmersuppenalm. Da man zur Alm aber mit dem Bus hochgefahren wird und man deshalb nicht seine ganze Skikollektion (Schuppenski, Wachski mit Band, Wachsski mit Klister) mitnehmen kann, entscheidet man sich für das Pillerseetal und hat Glück. Auch hier scheint die Sonne den ganzen Tag und – zur besonderen Freude einer Skifreundin – kommen die vorbereiteten Klisterski in der eisigen Spur bestens zum Einsatz.
Der Alpinfahrer steigt schon bei der 1. Gondelfahrt ab ca. 900 Höhenmeter aus der dichten St. Johanner Nebelsuppe in die sonnige Berglandschaft auf. Das mächtige Berg-Panorama des Wilden Kaisers macht den diesjährigen Schneemangel besonders deutlich. Skifahrerisch kommt er aber überhaupt nicht auf seine Kosten. Die ganze Penzing-Seite ist gesperrt, es geht eigentlich nur die lange Talabfahrt, auf der genug Kunstschnee liegt. Die nicht künstlich beschneite Jodl-Alm-Abfahrt lädt nicht zum jodeln ein, sondern ist eine Zumutung, für manchen Holländer ein Halbtages-Job: Überall braune Stellen, dazwischen eine ca. 10 cm dicke Eisschicht.

St. Johann
Abstürzende Holländer in St. Johann

Also: 32,50 Euro nicht optimal angelegt. – Aber wenigstens Sonne und Sicht den ganzen Tag, in Norddeutschland bläst ja schon das Sturmtief „Franz“.

Fr, 12.01.2007 (Abreisetag): Sturmtief Franz ist nachts gegen 2 Uhr in Kössen angekommen. Es bläst und schüttet kräftig. Der Entschluss reift heran: Der Skiurlaub wird einen Tag vorzeitig beendet, auch wenn es den positiv denkenden Mitgliedern in der Gruppe schwer fällt, der Realität ins Auge zu blicken.